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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 394

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 394 (sequence 10)
Language
German
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394 Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh.. bei der Zusammenstellung und Ordnung der Lehren im Talmud wurde nur auf die Oieichheit der Zeit, oder .anderer Umstände, nie aber auf die Gleichheit oder Verschiedenheit der Motive Rücksicht genommen. So wurde, — um ein Beispiel anzuführen — das Verbot, die zum Gebrauche eines neuen irdenen Gefäßes vorgeschriebene Weihe durch ein rituelles Tauchbad an einem Festtage zu׳ vollziehen, dem Traktat Beza1), der von Festtagen handelt,, eingefügt; das Verbot, am Neujahrstage, Schofar zu blasen,, das Verbot der Zeremonie mit dem Feststrauße am Laubhüttenfeste und das Verbot, die Estherrolle am Purimfeste zu verlesen, wenn die genannten Feste auf einen Sabbat fallen, in die Traktate Rosch ha־Schana, Sukka und Megilla2)* eingereiht, obgleich allen vier Verboten nach Rabba ein und dasselbe Motiv zugrunde lag, nämlich die Befürchtung, man könnte bei der Vorbereitung zu der Ausübung der betreffenden Gebote durch irgend eine Handlung, wie durch das Tragen auf der Gasse, den Sabbat verletzen־. Es war darum nicht leicht, diese Gründe herauszufinden. Die; Amoräer mußten in die tiefsten Tiefen des religiösen Gefühls untertauchen, um den geheimen Regungen eines, religiös bewegten Herzens nachzuspüren und die Wurzeln bloßzulegen, welche die eine, oder die andere religiöse Blüte getrieben. Diese alten Tekanoth sind nicht selten die sichtbaren Hüllen unausgesprochener, mitunter selbst dem! eigenen Bewußtsein ihrer Schöpfer verborgenen Gefühle und Gedanken, die wie seelische Untertöne die Stirn־ men begleiten, welche uns aus den alten .Überlieferungen« entgegentönen3). Es ist selbstverständlich, daß bei diesem Begründungen, namentlich wo so grundverschiedene Denker wie Rabba und R. Joseph einander gegenüberstanden,. ג) Beza 18 a. 2) Vgl. Rosch ha־Sch. 29 b, Sukka 42 b, Megilla 4 b. 3) So z. B. ,מוקצד, Vgl. über die ethische Bedeutung des Zeremonialgesetzes Lazarus, Ethik, S. 20 und 280—240.

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