Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 392 (sequence 8)
- Language
- German
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392 Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. der Talmud doch damit sagen, daß Rabba länger hätte leben können, wenn er, wie sein Neffe Abaji, auch die Eigenschaft der Herzensmilde besessen hätte. Diese war ihm versagt. Bedürfnislosigkeit pflegt auch gegen die Bedürfnisse anderer blind zu machen und dies mag die Ursache gewesen sein, daß Rabba die Bewohner Pumbaditas nicht mit der von ihm erwarteten Rücksicht behandelt hat. Es zeigte sich dies namentlich in seinen Reden, in welchen er die Laster der ׳Großstädter in Pumbadita schonungslos geißelte. Er beschuldigte sie, die Unglücksfälle und Landplagen, von welchen Stadt und Land heimgesucht wurden, durch ihre :Sünden heraufbeschworen zu haben. Als einst sein Gebet um Regen nicht erhört wurde, rief er ihnen unmutig zu: »Nicht weil wir Volksführer weniger fromm sind als diese zur Zeit R. Judas waren, werden wir nicht erhört, sondern weil die Generation entartet ist«3). Durch solche Reden :schürte er aber den Haß gegen sich, welchem er schließlieh zum Opfer fiel. Er wurde bei dem Könige verleumdet, daß er durch seine Vorträge in den Kallamonaten 12.000 Zuhörer an der Bezahlung der Kopfsteuer hindere. Möglich, daß unter den Zuhörern auch ungelehrte Männer sich befanden, die sich durch die Zugehörigkeit zum Gelehrtenstände von der Kopfsteuer befreien wollten, was natürlich eine Mehrbelastung der anderen Bürger zur Folge haben und die Steuerkraft der Gemeinde schwächen mußte. Der um die innere Wahrheit zu tun, um die ethische Belehrung. Die Zahlen sind Beiwerk. Daß die großen Halachisten, wie Alfassi und Maimuni diese Auffassung von den Zahlen in unserer Stelle teilten, geht schon aus der von R. Nissim bemerkten Tatsache hervor, daß die letzteren die ganze Stelle in Aboda sara 19 b: להא רבה הוא דאורי als_ späteren Zusatz streichen und halachisch nicht berücksichtigen. S. R. Nissim. z. st.:ותמיהני מהדמב״ם שכתבה לזו בפ״ה מה׳ ת״ת ולא,, י חילק בין ארבעים לפחות מהן ובין שוין לשיש גדול ממנו ובן יש לתמוה על הרי אלפסי שלא כתב והא רבה הוא דאורי התם בשוין". Sie haben eben di e Zahl 40 als eine haggadische erkannt und als solche behandelt. *) S. Sabbat 153a, Thaauith 24b 1! Graetz IV, S. 405.