Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 7)
- Language
- German
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Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. 391 Ist auch diese Zahl eine bekannte Lieblingszahl des Talmud und darum — was schon den ältesten Kommentatoren nicht entgangen — nicht wörtlich zu nehmen1), so will! ’) Bacher, der über diese Talmudstelle ausführlich in einen* Excurse (d. Agada d. babylon. Amor., S. 149 ff) handelte, kehrt: die Zahlenangaben um. Abaji soll 40 Jahre und Rabba 60 Jahre alt geworden sein. Dagegen spricht aber die Stelle Pessachim 104 b, aus* welcher hervorgeht, daß Abaji schon zu Lebzeiten R. Judas ein erwachsener Knabe gewesen sei. Da aber Abaji R. Juda um 40 Jahre überlebte — er starb nach Scherira i. J. 338 — so muß Abaji älter als 50 J. geworden sein. Auf diese Stelle hat Doroth ha-Rischonim! II, b. S. 476 und Jolles, Beth Waad l’Chachamim, Krakau 1884,, Art. Abaji, hingewiesen. — Halevy, der dieser Stelle ein Kapitel widmet (das. 435—440), läßt beide 60 Jahre alt werden. Die Textkorrektur Halevys ist aber unannehmbar. Der Talmud will ja nur sagen, daß Tora und Wohltätigkeit höher stehen als Torastudium! allein. Über diese Tendenz der besprochenen Talmudstelle kann kein Zweifel herrschen. Torastudium allein — das ist der Gedankengang der Amoräer — verlängert wohl auch das Leben, Tora- Studium und Wohltätigkeit tun dies aber in noch weit größerem. Maße. Darum ist auch Abaji, der beides vereinigte, älter geworden! als Raba, der ausschließlich das Torastudium pflegte. Die angeführte Baraitha will dann auch nur sa gen, daß die Mitglieder einer von Eli abstammenden Familie, die gewöhnlich im 18. Lebensjahre starben, durch das Torastudium ihr Leben verlängerten, וחיו״"; daß sie auch älter als 40 Jahre geworden, wird nicht gesagt. Der Tieferblickende kann aber in dieser Controverse überhaupt keine streng lialachische Diskussion erblicken, was ja schon der Natur der Sache nach ausgeschlossen ist. Dem Talmud lag es auch ganz fern an dieser Stelle biographische Daten über Abaji und Rabba zu geben. Rabba ist gewiß älter geworden als 40 und Abaji älter als 60 Jahre. Der Talmud will nur sagen, daß der letztere, weil er Tora und Wohltätigkeit vereinigte, älter geworden ist als Rabba, der nur dem Tora- Studium oblag. Der Talmud tut dies aber in seiner Weise, indem er die schon von Raschi und den Tossaphisten oft als Lieblingszahlen bezeichneten 40 und 60 verwendet. Über die Zahl 60 vgl. Tossaph. Baba m. 107 b. s. v. שיהין, Baba K. 92b Raschi zu Sabbat 90 b. Über andere Lieblingszahlen, vgl. Raschi Sabbath 119a Chullin 95 b> Tossaph. Berachoth 20 a und a. St. Die Sprache des Talmud bedient sich mit besonderer Vorliebe solcher runder Zahlen. Es ist ihr nur