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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 390

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 390 (sequence 6)
Language
German
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390 Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. der es liebt, auch seine Schüler vor den Vorträgen in heitere Stimmung zu versetzen1). R. Joseph ein Gefühlsmensch, bei dem das Herz den Kopf regiert, und der sich zu den Phantasiegebilden der Haggada und zu den Geheimnissen der Mystik hingezogen fühlt2), Rabba ein Mann des hellen Intellektes, der sich fast ausschließlich der Halacha widmet und ihre entlegensten Gebiete durchforscht3). Wenn eine Teilung statthaft gewesen wäre, hätte man vielleicht gut daran getan, R. Joseph zum Oberhaupte der Gemeinde zu wählen und Rabbas Wirksamkeit bloß auf die Lehrtätigkeit zu beschränken. Zum Seelsorger, zum Oberhaupte einer großen Gemeinde hätte sich der weichherzige R. Joseph besser geeignet als Rabba, der andererseits wie keiner seiner Zeitgenossen die Eignung zum Schulhaupte besaß. Es war ein Unglück für Rabba, daß die beiden Ämter miteinander verbunden waren. Rabba vermochte sich wohl mit seinen glänzenden Geisteseigenschaften die Achtung und die Ehrfurcht seiner Schüler zu erringen, aber er verstand es nicht, sich die Liebe der breiten Volksschichten zu erwerben. Diese haßten den kalten Verstandesmenschen. Die Bewohner Pumbaditas waren ihm feindlich gesinnt4). Ohne Zweifel haben sie ihm so manches Herzleid bereitet und führten schließlich seinen frühzeitigen Tod herbei. Rabba, der nur Thorah lernte, aber die Herzenspflichten wohltätiger Menschenliebe nicht übte, bemerkt eine von den Historikern oft mißverstandene Talmudstelle, lebte nur 40 Jahre5). 0 Vgl. Sabbat 30b, Moed katon 28 a, Berachot 64a und Horaj.oth Ende, wo berichtet wird, daß er während der Zeit seiner Lehrtätigkeit nicht des Baders bedurfte. 2) Vgl. Chagiga 13 a, wo berichtet wird, dass er sich mit der Geheimlehre befasste, Genes, r. Kap. 12 g. Ende u. a. St. S. Bacher, Agada d. babyl. Am., S. 107 und Ag. d. palästin. Am., S. 302. 3) Baba mez. 86 a Berachot 20 b. 4) Sabbat 153 a. 6) Rosch ha-Schana 18 a.

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