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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 4 · p. Seite 389

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 4
Article
Das literarische Leben der babylonischen Juden im vierten Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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Das literarische Leben d. babylonischen Juden im vierten Jahrh. 389 badita unter der Leitung des neuen Schulhauptes genommen hat. Wir haben bereits oben erwähnt, daß die Lehrweise und die Persönlichkeit auch auf die Schüler der großen Schwesteranstalt in Sura eine große Anziehungskraft geübt hat1), ln den Kallamonaten Adar und Elul sollen nicht weniger als 12.000 Hörer sich um Rabba geschart haben2). Mag auch diese Zahl zu hoch gegriffen sein, so zeigt sie immerhin, daß die Zahl der Lehrbeflissenen unter ihm eine ungewöhnliche Höhe erreicht hat. R. Joseph hätte wohl eine solche Schar von Hörern nie um sich gesammelt. Nicht nur, weil ihm die Gabe der glänzenden Dialektik, die Rabba in hohem Grade eigen war, sondern auch, weil ihm dazu die nötigen physischen Eigenschaften fehlten. Es fehlte ihm zunächst der frische Lebenstrieb, der zu einer solchen Stellung nötig ist. R. Joseph war zu weich, zu empfindlich, um ein öffentliches Amt für die Dauer bekleiden zu können. Zu einem alten Spruche, der — nebenbei bemerkt — zum Teile an ein Wort des großen Denkers und Dichters Leonardo da Vinci: »Wo das tiefste Empfinden ist, da ist auch das größte Martyrium«, erinnert, zu dem Spruche : »Dreier Leben ist kein Leben : das des tief Mitempfindenden, des leicht Erzürnten und des sich leicht Ekelnden«, bemerkte R. Joseph, daß er mit all’ diesen drei Leidenschaften behaftet sei3). Man kann sich überhaupt keinen schrofferen Gegensatz in den 'Charakteranlagen zweier Personen vorstellen, als wir sie bei diesem Amoräerpaare finden- R. Joseph, bei aller körperlichen Pflege, schwach und kränklich, von sentimentalen Stimmungen beinflußt4), Rabba, ein Naturmensch, von Gerstenbrot lebend und dabei gesund, frisch und heiter, נ) S. meine Gesch. d. Juden in Babylonien. Bd. I, S. 121. 2) Baba mez. 86 a. Graetz IV, S. 352. 3) Pessachim 113a. 4) Vgl. Sukka 29a, Baba batr. 23a und Nedarim 41 a. (S. den Komment. Raschis das.) Er freute sich auch darum, als er den 60. Geburtstag erlebte. Moed katon 23 a und Kidduschin 31a.

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