Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 377 ein frühzeitiger Tod verhindert hat, und nun liegt vor uns die erste komplete Edition eines solchen Glossars, nämlich des der Pariser Nationalbibliothek Nr. 302, das nach Darmesteter das vollständigste lind interessanteste ist. In der richtigen Erkenntnis des oben hervorgehobenen Doppelcharakters dieses Glossars haben sich auch bei der vorliegenden Publikation zwei auf den betreffenden Gebieten tätige Gelehrte vereinigt: der gediegene hebr. Grammatiker und Bibelexeget, Mayer Lambert, und Louis Brandin, der sich durch seine Abhandlung über die Leazim bei Gerschom Meor-Haggola (REJ. 42, 48 ff.) bereits als verständnisvoller Arbeiter auf dem Gebiete der jüdisch-französisehen Philologie zu erkennen gegeben hat. Dieses Glossar ist nun insofern das vollständigste als es das einzige ist, das die Glossen zur ganzen Bibel erhalten hat, und zwar folgen zunächst auf den Pentateuch die fünf Rollen, aber in etwas anderer Reihenfolge als sonst: sie sind nämlich ebenfalls nach ihrem Gebrauch in der Liturgie geordnet, beginnen aber mit Kohelet. Es folgen dann die Propheten, und zwar in der vom Talmud (Baba Batra 14b) angegebenen Reihenfolge, also zuerst Jeremia, dann Ezechiel, Jesaja und die zwölf kleinen Propheten. An der Spitze der Hagiographen endlich steht Hiob, dann die Psalmen, Proverbien usw. Zwischen den Propheten und Hagiographen findet sich das bald zu erwähnende Kolophon und daraus schließen die Herausgeber, daß ursprünglich in unserem Glossar die Hagiographen vor den Propheten gestanden haben, was auch sonst vorkommt. Das erwähnte •Kolophon lautet nun : אני יד,וסף בן ד,קדוש ר, שמשון נ״ע כתבתי וסיימתי לעזים אלו מן עשרים וארבעה ספרים בחדש כסליו שנת ואחת לאלף ששי לדי שמואל ב״ר רעקב וכר Darmesteter bestimmte nun demgemäß als Datum unseres Glossars Dezember 1241 (eigentlich November-Dezember 1240), beachtete aber nicht, wie die Herausgeber richtig bemerken, daß die Form ואחת darauf hinweist, daß vor diesem Wort die Zehner ausgefallen sind. Es bleibt also ein Spielraum für עשרים ואחת bis תשעים ואחת übrig, so daß unser Glossar in dem Zeitraum von 1260—1330 entstanden sein kann. Es ist demnach jedenfalls unverständlich, wieso die Herausgeber behaupten, daß das Glossar der ersten Hälfte des XIII. Jahrhunderts angehöre, und zwar, weil es einen Dialekt dieser Epoche darstelle. In der Tat ist es aber überhaupt ein Irrtum, Josef b. Simson in Turin (letzte Bibliothek besitzt auch noch ein hebräisch-französisches Wörterbuch), und außerdem noch ein Fragment zu den Psalmen in Oxford. Hinzugekommen ist seitdem noch ein anderes Fragment zu Stücken aus Jeremia und den Psalmen, im Besitze von Elkan Adler, das Israel Levi neulich sehr sorgfältig ediert hat (REJ. 50, 197—210).