Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 366 (sequence 16)
- Language
- German
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366 Die Juden und die deutsche Literatur. er nach dem Tode von Salomon Strauß (1865) Universalerbe des Strauß-Wohlschen Nachlasses und Aufbewahrer des Börneschen Nachlasses geworden war, faßte er den Plan zu einer umfassenden, kritischen Ausgabe von Börnes Werken auf diese Weise. Er ließ alle oder wenigstens die bei weitem meisten ungedruckten Stücke aus dem Nachlasse abschreiben, kollationierte die Schriften mit den ersten Drucken, stellte Grundsätze der Edition fest und hinterließ außerordentlich wichtige, dankbar zu benutzende Vorarbeiten für eine Ausgabe von Börnes Werken. Wenn diese Aus־ gäbe, wie sicher zu erwarten ist, in den nächsten Jahren erscheint, so wird sie in allererster Linie, bei aller Dankbar־ keit gegen das pietätvolle Verfahren des Straußschen Ehepaares, auf Gottlieb Schnapper als wahren Urheber und geistigen Vater zurückschauen müssen. Durch das Vertrauen der anderen Mitglieder der Börneadministration wurde ich im März 1903 in diese Ver־ waltung berufen und erkannte es als meine Pflicht, die von Schnapper geplante Börneausgabe energisch zu betreiben. Sie soll mit Unterstützung tüchtiger Mitarbeiter in den Jahren 1907—11 ־ im Verlage von S. Schottländer in Breslau erscheinen und ist dazu bestimmt, einen, wie ich hoffe, außerordentlich wichtigen Beitrag zu dem Thema, die Juden und die deutsche Literatur zu geben. Dieser notwendige Exkurs über Börnes Schriften hat uns von den Briefen, von denen im Vorstehenden hauptsächlich die Rede war, schon auf die eigentlichen S c h r iften geführt. Das alte Wort: Scripta manent (die Schriften bleiben) hat eine tiefere Geltung. Neben den flüchtigen, für. den Tag geschriebenen und leider häufig auch mit dem Tag vergehenden Berichten stehen die in mühsamer Arbeit erdachten und auch die Arbeitszeit überdauernden Lebens״ Zeugnisse. Aus ihnen Stellung der Juden zu Deutschland, besonders zur deutschen Literatur, das Verhältnis deutscher Geisteshelden zum Judentum zu eruieren, war und ist mir