Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 363 (sequence 13)
- Language
- German
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363 Die Juden und die deutsche Literatur. literarischen Nachlasses hervorragend qualifizierte. Sie ließ kein Blättchen umkommen: weder die Briefe, die Börne empfangen hatte, noch die Originalhandschriften seiner Werke, noch seine Exzerpte und Konzepte, noch endlich die an sie geschriebenen Briefe. Nun weiß aber jeder Kenner von Börnes Werken, daß ein wesentlicher Bestandteil dieser Werke Briefe an Jeanette Wohl sind. Von den siebzehn Bänden, die die eigentlichen Werke ausmachen, sind die umfangreichsten sechs (Band IX bis XIV inkl.), von den sechs Bänden nachgelassener Schriften etwa fünf an sie geschrieben. Die Originale dieser elf Bände (also wirklich der größte Teil der Werke, elf von 23) sind vollständig und ganz intakt erhalten. Denn nicht sie haben als Druckvorlage gedient, sondern zum Druck wurde eine von der Adressatin oder ihren Beauftragten gemachte Abschritt verwendet. Diese Originale haben nun nicht etwa bloß den Wert von Originalen, sondern sie besitzen eine ungeheuere, in diesem Umfange bisher kaum geahnte literarische Bedeutung, ln den Pariser Briefen nämlich sind hunderte von Stellen, teils persönlichen oder familiären Inhalts, teils bedenklich durch die Stärke ihrer Ausdrucksweise mit Bewilligung Börnes, der den Zureden seiner Freundin selten unzugänglich blieb, gestrichen worden. Die Privatbriefe, die den wesentlichen Teil der nachgelassenen Schriften ausmachen, sind überhaupt nur bruchstücksweise gedruckt; die große Bedenklichkeit der Adressatin hat hier alles gestrichen, was irgendwie anzüglich erscheinen konnte. Daher blieb das meiste fort, was sich auf das persönliche Verhältnis Börnes und seiner Freundin bezog hunderte, ja man kann ohne Übertreibung sagen Tausende von Stellen, die Frankfurter Verhältnisse oder solche Persönlichkeiten betrafen, die bei der Publikation der nachgelassenen Schriften, 1844, noch lebten. Ich habe bei der Veröffentlichung von Börnes Berliner Briefen, 1828 (Berlin 1905) das Verhältnis der geschriebenen zu den gedruckten