Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 360 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Die Juden und die deutsche Literatur. inneren und äußeren Geschichte Mendelssohns, sondern höchst wertvolle Dokumente für das Kapitel: die Juden und die deutsche Literatur Denn sie stehen am Anfang jener neuen Epoche, da die Juden begehrten, nicht nur die deutschen Schriften anderer zu lesen, sondern bei Wahrung aller jüdischen Eigentümlichkeit, deutsches Gefühlsleben zu erringen und in anderen zu erwecken. Es ist begreiflich, daß die üblen Erfahrungen, die ich mit diesen Briefen gemacht hatte, meinen Eifer etwas abkühlten, aber auch eine andere Ablenkung ergab sich aus dem Gange meiner Studien und wissenschaftlichen Arbeiten. Die Publikation der Friedländerbriefe und der Plan, Mendelssohns briefliche Äußerungen zu edieren, wenn auch einem Zufall ihre Entstehung verdankend, gehörte doch zu einer Reihe, die mehr und mehr meine Tätigkeit in An- Spruch nahm. Die fureur de Tinedit, wie ein geistreicher Franzose einmal die Neigung des geistigen Schatzgräbers bezeichnet, hatte mich freilich schon seit dem Beginn meiner literarischen Tätigkeit gepackt und mich ׳ niemals ganz losgelassen. Der wesentliche Teil meiner schon erwähnten Ellenbog-Publikation (1870) bestand aus ungedruckten Schriftstücken; die Reuchlinsche Briefsammlung (1876) und die meist aus ungedruckten Episteln bestehende Biographie meines Vaters (1878) fallen schon in das erste Dezennium meiner wissenschaftlichen Tätigkeit. Das letztverflossene Jahrzehnt aber bietet jedenfalls den Höhepunkt in dieser Art meiner literarischen Beschäftigung. Da ich hier keine Autobiographie schreibe, sondern bei dem Unternehmen, von einem beabsichtigten Werke zu reden höchstens Streiflichter auf vollendete frühere Arbeiten zu werfen habe, habe ich keine Veranlassung, diese Seite meiner Tätigkeit, die mannigfach angegriffen worden ist, zu verteidigen. Ich müßte sonst ausführlich darlegen, wie ich, getreu einem Goetheschen Ausspruche, Briefe bedeutender oder interessanter Männer und Frauen für die lautersten Quellen zur