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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 359

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1906-01-01
Page
Seite 359 (sequence 9)
Language
German
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Die Juden und die deutsche Literatur. 35g »י¬ Briefen. Klarer als in anderen Schriftstücken tritt der Kauf mann, der diplomatisch Berechnende hervor. Wie er geschäftliches mit ungeschäftlichem Plaudern mischt, wie er den Vater der Braut, der trotz seiner finanziellen Nöte in dem Berliner Philosophen keinen begehrenswerten Schwiegersohn sah, zu gewinnen sucht, wie er sich bemüht* seine Chancen hervorzuheben, wie er in dem Kampfe um die Braut — denn es war zuzeiten ein wirklicher Kampf — die Bundesgenossenschaft der Mutter erstrebt und erringt Ein anderes ist, wie dieser Kaufmann und Philosoph gelegentlich, freilich selten genug auf die Politik eingeht, allerdings nicht mit großen Abhandlungen, sondern mit kurzem Hinweis auf die Ereignisse, die Kriege, den Friedens- Schluß. Der Humor, eine seltene Eigenschaft bei Mendelssohn, die liebenswürdige Selbstironie tritt hervor; es findet sich ein entzückender Brief, indem der Schreiber sich als schüchternen Liebhaber darstellt, der es kaum wagt, bei einer der seltenen Begegnungen mit der Braut, von seinen Bräutigamsrechten Gebrauch zu machen. Läßt er der Braut gegenüber nicht oft den Humor spielen, so weiß er zierlich, neckisch einer jüngeren Schwester seiner Geliebten entgegenzutreten; für das liebliche Geschwätz dieses munteren Mädchens hat er immer einige Scherzworte bereit. Die rührende Bescheidenheit, mit der der Schreiber von sich und seinem Tun, von seinem Umgang und seinen Werken spricht, die Sinnigkeit, mit der er Gaben überreicht, die harmlose von jeder Sinnlichkeit freie Manier, in der er Zukunftsträume entwickelt, — das sind alles Momente, die diese Briefe zu einem wahrhaften Schatz stempeln. Wer an sie den Maßstab glühender Liebesepistein legt, wer sentimentale Klagen, himmelstürmende Ausrufe, Ausbrüche erotischen Verlangens erwartet, findet sich in seinen Hoffnungen getäuscht; aber gerade in ihrer Schlichtheit, in ihrer ungesuchten Natürlichkeit sind diese Briefe ganz unschätzbare Bekenntnisse. Sie sind nicht nur Beiträge zur

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