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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 357

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1906-01-01
Page
Seite 357 (sequence 7)
Language
German
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Die Juden und die deutsche Literatur. 357 kamen sie, verborgen in einer Mappe, deren Aufschrift diesen Inhalt nicht ahnen ließ, zutage. Die Schriftstücke wurden mir anvertraut. Die mühevolle Aufgabe der Entzifferung der Abschrift und teilweise der Verdeutschung gelang. Meine Hoffnung jedoch, diese Briefe dem jüdischen und deutschen Publikum zu übergeben, wurde nicht erfüllt; die Familie Mendelssohn, weit entfernt von der Scheu, jüdische Briefe ihres Vorfahren bekanntzugeben, nahm den ihrer Auffassung nach berechtigten, meiner wissenschaftlichen Überzeugung widerstrebenden Standpunkt ein, daß es sich hier ausschließlich um Familienbriefe handle, deren Inhalt nur für die Familie, nicht aber für das literarische Publikum interessant sei. Aus diesem Grunde begnügte sich der Chef des Hauses damit, auf Grund meiner Abschrift einen Privatdruck einiger dieser Briefe herzustellen, der nur für die Mitglieder der Familie und wenige Freunde bestimmt war und über diese Kreise nur wenig hinausgedrungen ist. Mir selbst wurde eine Veröffentlichung verwehrt und nur die Benutzung einzelner Stellen gestattet. Diese Verweigerung, zu welcher der Eigentümer selbstverständlich vollberechtigt war,gehört zu den schmerzlichsten Ereignissen meines literarischen Lebens. Denn wenn es auch unangenehm genug ist, in Privatarchive keinen Einlaß zu erlangen, so ist es noch betrübender, Schätze, in die man Einsicht genommen hat, nicht verwerten zu dürfen. Denn ich halte diese Briefe Mendelssohns an seine Braut und die wenigen an seine Frau gerichteten für wirkliche Schätze. Der Privatdruck kann von dem Werte dieser Schriftstücke keine rechte Vorstellung geben. Zunächst deshalb, weil in diesem Druck nur eine kleine, nicht immer ganz glückliche Auswahl der Briefe geboten wird, sodann deswegen, weil in dem Druck die Eigentümlichkeit, der besondere Zauber der Schriftstücke verwischt ist, Dieser Zauber besteht in folgendem: man erkennt Mendelssohns Ringen mit der deutschen Sprache. Liest man seine gedruckten Schriften

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