Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 356 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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356 Die Juden und die deutsche Literatur. seither, daraus erschienene Veröffentlichungen im Gedächtnis hat; es wird begreiflich, wenn man erwägt, daß es mir nicht darauf ankam Zunz* Beziehung zu jüdischen Gelehrten nachzuspüren und Beiträge zur Geschichte der Wissenschaft des Judentums zu liefern, sondern in erster Linie darauf, Zunz als Belletristen zu würdigen, seine Stellung zur deutsehen Literatur und den Trägern des deutschen Geisteslebens zu fixieren. Eine andere, unerwartete Wirkung, freilich nicht so erfolgreich, wie ich eine Zeitlang hoffte, hatte dieses Nachsuchen in den Zunzschen Papieren. Ich stieß nämlich auf eine Notiz in einem Briefe Islers, des Biographen Rießers. Der zu Hamburg domizilierende Gelehrte fragte bei Zunz an, ob dieser ihm rate, die in Hamburg aufgefundenen Briefe Moses Mendelssohns an seine Braut und Frau dem Enkel des jüdischen Weltweisen zu übersenden. Eine Antwort auf diese merkwürdige Frage war nicht erhalten; bei diesem Briefe war der Empfänger von seiner löblichen Gewöhnheit abgewichen, auf den Briefen kurz den Inhalt seiner Antwort bekanntzugeben. Aber man konnte sich die Anfrage leicht selbst beantworten. Man durfte annehmen, daß der Hamburger Gelehrte, der die Wichtigkeit der Schriftstücke erkannt hatte und entschlossen war, sie vor dem Geschick der Zerstörung zu bewahren und sie in sicheren Gewahrsam zu bringen, sie an den damaligen Chef der Mendelssohnschen Hauses wirklich geschickt habe. Andererseits war man zu der Annahme berechtigt und verpflichtet, daß dieser ebenso wie seine Nachkommen bei ihrer großen Werthaltung literarischer Schätze und bei ihrer dem großen Vorfahren gegenüber immer geübten Pietät, diese ehrwürdigen Schriftstücke aufs sorgfältigste aufbewahrt haben würden. Trotzdem waren meine Bemühungen lange erfolglos. Trotz aller Freundlichkeit, mit der mir der derzeitige Chef des Hauses entgegenkam, trotz allen Eifers, den er entfaltete, wollten sich diese Schriftstücke nicht zeigen. Endlich