Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden und die deutsche Literatur
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 355 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden und die deutsche Literatur. 355 Studien über Beteiligung der Juden an deutscher Literatur wieder aufzunehmen. So entstand teils mit Anlehnung an frühere Arbeiten, teils unter selbständiger Erforschung bisher nicht betretener Gebiete die Artikelreihe: Die Juden und / die deutsche Literatur (angef. Zeitschr. Bd. I, S. 322—365,! Bd. II, S. 297—374, nebst einzelnen Nachträgen in den folgenden Bänden), die sich teils mit Goethe, teils mit dem ״ 16. Jahrhunderte beschäftigte. Aber auch andere, in diesen Zusammenhang gehörige Veröffentlichungen lockte die Zeitschrift hervor. Aus dem Nachlasse meines Vaters besaß ich ungedruckte Briefe David Friedländers an Meyer Eger, die nicht nur das garnicht oder wenig gekannte Verhältnis dieser beiden Männer beleuchteten, sondern ein so eigentümliches, mitunter freilich grelles Licht auf die beiden Richtungen innerhalb des Judentums, die aufgeklärte und die orthodoxe, warfen, daß mir ihre Veröffentlichung geraten schien. Gerade für unser Thema besitzen diese Briefe eine außerordentliche Bedeutung; selten ist so klar wie hier, trotz der jüdisch-deutsehen Schriftzüge, in der die Episteln geschrieben und trotz der vielfachen hebräischen Floskeln und Sätze, die in das im allgemeinen sehr korrekte Deutsch eingemischt sind, die Auffassung des Deutschen Juden zum Ausdruck gebracht, der nach deutscher Bildung ringt, seine religiöse Auffassung mit der allgemeinen Bildung seiner Zeit und seines Landes in Einklang zu bringen sucht. Das Verlangen, die Zeitschrift mit allgemein interessanten Beiträgen zu bereichern und neben den vielen rein historischen, vielfach dem Mittelalter gewidmeten Untersuchungen auch literarische Mitteilungen zu geben, die sich auf die neuere Zeit und das geistige Leben der Juden bezogen, regten mich an, nach dem Tode von Leopold Zunz, dessen Nachlaß durchzuarbeiten. Die Ausbeute war gering. Das mag manchem verwunderlich erscheinen, der den Reichtum dieses Nachlasses kennt und manche 23’