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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 354

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1906-01-01
Page
Seite 354 (sequence 4)
Language
German
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354 Die Juden und die deutsche Literatur. Feld meiner Arbeit gewesen. Als ich mich 1873 an der Berliner Universität habilitierte, wurde ich nicht nur durch äußere Verhältnisse, sondern durch inneren Drang dazu getrieben, nach einem kurzen Anlauf, den ich gemacht hatte, größere, rein historische Kollegien zu lesen, mich Vorzugsweise dem Gebiete der deutschen Literaturgeschichte zu widmen. Die zeitraubenden Vorbereitungen zu dieser akademischen Tätigkeit, die ehrenvolle, aber nicht minder zeitraubende Arbeit, dem berühmten Werke von Jakob Burckhardt meine Kräfte zu widmen, führten mich lange Jahre von dem in meiner Jugendzeit angeschlagenen Thema, die Juden und die deutsche Literatur, ab. Doch gab auch dieses scheinbar so fernliegende Werk Burckhardts Gelegenheit, der literarischen Tätigkeit der Juden, nicht in Deutschland, aber in Italien nachzuspüren und große Exkurse einerseits über das Studium der hebräischen Sprache in Italien, andrerseits über die Teilnahme der Juden an italienischer Literatur, Exkurse, bei deren Ausarbeitung ich mich der Förderung M. Steinschneiders zu erfreuen hatte, legten Zeugnis von der nicht rostenden Jugendliebe ab. Längere Zeit ruhte die intensivere Beschäftigung mit jenem Hauptthema, bis äußere Verhältnisse einen neuen Antrieb gaben, die alten Excerpte wieder aufzusuchen und neue Arbeiten vorzunehmen. Die Begründung der historischen Kommission zur Geschichte der Juden in Deutschland und die Errichtung mancher jüdischen Literaturvereine boten die äußere Veranlassung. Ehrenvolle Aufforderungen seitens einiger Vereine nötigten mich, den Vorträgen, die ich bisher über manche Gebiete aus der deutschen Literaturgeschichte gehalten, solche hinzuzufügen, die sich auf jüdisches Gebiet bezogen und die mir von der genannten Kommission übertragene Leitung der »Zeitschrift für die Geschichte der Juden« zwang mich, da ich eben nicht nur als Statist figurieren, sondern als wirklicher Mitarbeiter erscheinen wollte, die

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