Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 15)
- Language
- German
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330 Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. als historische Wahrheit hinzustellen. »Der Haß verdirbt die Linie.« Dr. Johannes Eck, der von 1502—10 in Freiburg war, schreibt in »Ains Juden büchlins Verlegung« (Wider״ legung) einem lutherischen Prädikanten nach, daß Juden in Eichstaett ein Christenkind gemordet haben, indem sie ihm ein Kreuzlein auf die rechte Achsel einschnitten, die Vorhaut abschnitten und den Leib zerstachen — und Professor Pfaff schreibts als dritter im Bunde mit Freuden nach. Aber er begnügt sich nicht, seinesteils und nach seiner Art »Licht in die schreckliche Sache zu bringen.« Er öffnet auch die Spalten der als wissenschaftliche Zeitschrift gedachten Alemannia der rohesten Blutbeschuldigung. Im Jahrgang 26 (1899) produziert sich ein Herr Karl Rieder mit einem Aufsatz: Das Martyrium des heil. Simon v. Trient (S. 63). Wir entnehmen demselben nur wenige Zeilen: »Für die Tatsache des von den Juden verübten Christenmordes spricht die ganze Tradition der Tridentiner Kirche, welche von Anfang an, durch viele Wunder bewogen, den heiligen Knaben als Märtyrer verehrte.« Nach Deutsch־־!and ist Kunde davon gekommen »wo man übrigens auch von ähnlichen Vorkommnissen zu erzählen wußte.« Dann (S. 69): »Was diesem eigentümlich, wie auch anderen Christenmorden, ist der Umstand, daß sie geschehen aus rituellen Gründen, wie sie ganz klar in der übrigen Be- Schreibung dargelegt sind, ein Umstand, den auch ein in Gormanskis Verlag zu Leipzig 1892 erschienenes Schriftchen »Die Juden und das Christenblut«, wo eine geradezu schaudererregende Menge von ähnlichen Fällen im Laufe der Jahrhunderte aufgezählt ist, hervorhebt.« Das ist die Wissenschaft, welche ein Freiburger Professor in unserer Zeit hegt und fördert. Ihm sind die Wunder, welche von den toten Körpern bewirkt werden, Beweise dafür, daß die Juden Christenmorde verüben. Ihn stört es nicht, daß er denjenigen seiner Berufsgenossen, welche noch Juden sind, oder es gewesen sind, nachsagt, ihre