Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 329 (sequence 14)
- Language
- German
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Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 329 Tagen etliche Christen, von denen einer seinen eigenen Sohn und andere fremde Kinder gemordet hat, um ihr Blut zu verkaufen, eingefangen und zwei gerichtet worden sind. »Welche . . . Mörder uf uns verjehen und om irem letztem Ende behalten, daß wir sy und Andere zu solchem Morde bestellt und dazu geholfen haben sollen.« Von dem Obersten des Kaisers, Niclas Ziegler, seien sie eingefangen und durch Bürgermeister und Rat zu Freiburg gepeinigt worden. Sie gestehen vor ihrer Fortführung, daß die Stadt durch königliches Mandat berechtigt gewesen sei, sie einzusperren und zu »kestigen«. Sie schwören, sie wollten der Stadt nichts nachtragen, wenn sie frei werden. Dies ist geschehen, denn am 5. April 1505 sprach Freiburg Maximilian gegenüber sich ärgerlich darüber aus, daß die Juden nicht wenigstens des Landes verwiesen worden sind und bittet, sie aus dem Breisgau zu verjagen. Nachdem die Darstellung in meiner Schrift hierdurch vervollständigt worden ist, sei es mir gestattet, mich gegen den unberechtigten, und nicht weiter begründeten von Professor Pfaff mir gemachten, Vorwurf, daß meine Darlegung »einseitig« sei, zu wehren. Diese Einseitigkeit besteht eben darin, daß ich, der Rabbiner, der ich Geschichte, Glauben;und Aberglauben meiner Religionsgenossen genau kenne, es nicht begreifen kann, wie die Anschuldigung des Kindermordes und des Blutgebrauches gegen uns Juden auch nur mit einem Scheine von Recht hat erhoben werden können. Professor Pfaff ist im Gegensätze zu mir so vielseitig, daß er von dem Mordsinn und der Verpflichtung bezw. Nötigung der Juden, Blut zu brauchen, von vornherein überzeugt ist. Die wissenschaftliche Zeitschrift der Alemannia füllt er mit eigenen Artikeln, welche die Blutanklage wacherhalten sollen. Mit Vorliebe nimmt er Arbeiten ähnlichen Kalibers auf und sucht durch Vorträge, bei welchen er sich mit der Firma eines hochgeachteten Vereines deckt, den . Ritualmord