Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 328 (sequence 13)
- Language
- German
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328 Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. Hun vorgelegt, damit sie berate, was mit den Juden, die in Waldkirch, Villingen, Mülhausen, Bollweiler, Colmar, Ensisheim (diese 4 im Elsaß) Stockach, Aach in Haft sind, geschehen soll. Nur die Juden, welche in der Aussage bezichtigt sind, sollen im Gefängnis bleiben* Die andern werden nur so lange im Arrest behalten, bis Erkundigung eingezogen ist. Hab und Gut der Gefangenen soll genau aufgeschrieben werden. Gerechtes Verhalten wird eingeschärft. Am 23. September 1504 schreibt der König an Freiburg, die Kommission habe des Krieges wegen nichts tun können. Die Behörden in Ensisheim werden die Sache bei der Kommission beschleunigen. Wenn diese die Überführung der Juden anordnet, soll sie den Juden aufgeben, Freiburg für die Zehrung zu ent־־ schädigen und Urfede zu geben. Am 28. Oktober befiehlt der Hof und Landschreiber im Elsaß, Conrat Schutz, daß Freiburg die Juden nach Ensisheim schicke. Diese zahlen der Stadt die Kosten und geben Mittwoch vor Allerheiligen (50. Oktober) Urfede. Es waren ein Vater Laemblin (Lamm Beinamen für Ascher) und David und Joeslin (Joseph), seine Söhne, seßhaft in Waldkirch, Jecklin (Jacob) zu Bräunlingen (Bezirksamt Donaueschingen) und Uilins1). Sie bekennen freiwillig, nachdem von vielen Jahren her eine grausame »lümbde, rede, geruf« in dieser deutschen Nation gewesen und ist wider die Jüdischheit, daß sie christlicher junger Knaben Blut nachstellen, das zu ihrer Notdurft zu brauchen »auch wissent und landskundig ist«, daß zu Trient, Endingen und anderswo solcher Missetat halber wider die Jüdischheit mit dem Feuer gerichtet worden ist. — So konnte man schreiben, . weil die Juden es nicht haben lesen können, oder schon so gebrochen waren, daß sie nur noch eins zu denken vermochten: fort aus diesem Gefängnis. Die Urfede berichtet weiter, wie vor einigen 0 Ulrich oder Uri, nicht Nelius, wie Pfaff hat. Ohne Wohnort, wohl ein Vagant.