Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 327 (sequence 12)
- Language
- German
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Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 327 bürg befiehlt der König freizugeben. Ziegler berichtet an demselben Tag dem Könige^ die Juden müßten auf Grund des Geständnisses der drei christlichen Mörder verurteilt werden, wie es seiner Zeit in Endingen geschehen sei. Ein Christ sei mit einem Juden aus Günzburg bei ihm gewesen und habe ihn bestechen wollen, daß er gegen die Juden nichts vornehme oder sie wenigstens alle aus dem Lande ziehen lasse. Er habe diesen Juden ins Gefängnis bringen lassen. Dem Könige droht er, das Volk würde sich gegen die freigelassenen Juden erheben. Das würde ihnen »ee von den weybern« geschehen, wenn der König sie nicht richten oder aus dem Lande »pannen« würde. Sein Antrag geht dahin, die Juden mit ihrer Habe den Statthaltern und Räten in Ensisheim i. E. (dem Sitze der Regierung der vorderösterreichischen Lande) zu überantworten. Schon am 20. Juli schickt er einen weitern Bericht ab. Er glaubt, dem König sei angezeigt worden, daß er, Ziegler, zu streng gegen die Juden sei. Das hätten Leute getan, die Geld von den Juden genommen haben. Er will durchaus nicht gegen die königlichen Befehle handeln, und da der König es so will, nichts mehr tun. Der Jude aus Günzburg sei allein wegen des Bestechungsversuches eingesperrt und nicht gefoltert worden. Wird auch jetzt noch seine Freilassung befohlen, so werden die Freiburger sie ins Werk setzen. Am 29. August ergeht diese Ordre, und am Mittwoch vor Maria Geburt, d. h. spätestens am 3. September, unterschreibt der Befreite seine Urfede »Sysslen ind obgenannt bekenn mich aller Ding so obschtand urkund dieser myner handgeschrifft«. Freiburg sucht überall (z. B. in Rheinau i. E.) zu erkunden, was den Verdacht gegen die Juden stärken möchte. Am 24. Juli bestimmt der König den Vogt Christoff v. Hatstatt, vier Räte und einen Doktor, die die Universität Freiburg abordnen soll, als Kommission. Ihr wird die Aussage des noch nicht hingerichteten Waldkircher Mörders Michel