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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 323 (sequence 8)
Language
German
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Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 323 tragen, daß die Juden mit dem Leben davongekommen sind? (Vers 755.) »das guldin kalb schafft viel unru, »uon dem ich hie vor hab gesagt!« Der fromme König Maximilian und besonders die Stadt Freiburg sollen entschuldigt sein. Denn diese hat »hierinne truw, fließ und ernst ankert, »damit den iuden wurd beschert »das recht, nach dem sie hond verdient«. Auch zu Trient habe man mehr Mitleid mit den jüden, als mit den Christen gehabt; denn Christen mußten sterben, und Juden wurden am Leben gelassen und lachen sich durch ihre Fäuste. Wie schon angedeutet, steht dieses Gedicht dem über den Endinger Mord von 1461 sowohl inhaltlich, als sprachlich weit nach. Während dort mit künstlerischer Lebenswahrheit der unglaubliche Vorgang geschildert wird, ist hier nur versifizierte Aktendürre. Dort glaubt alles, daß der Mord geschehen, hier sind die Widersprüche, das in den Mund Legen, der Mangel an Beweisen so grell, daß selbst der Versifikator sie wider Willen andeutet. Don schließt ein blutiges Strafgericht der Juden die Handlung dramatisch ab, hier bildet der ohnmächtige Jammer des Fanatismus, daß ihm die Opfer von rechtswegen entrissen worden sind, den in der Wirklichkeit wohltuenden, in der Dichtung verstimmenden Schluß. Die aus Laybach vom 5. Mai 1474 datierte Mißbilligung des Endinger Verfahrens seitens des Kaisers Friedrich konnte den 1470 Hingerichteten das Leben nicht wieder geben1), auch nicht 0 Bei Wagenseil, judicium sanguinis (Altdorf 1693) S. 103—105: *Freitag vor St. Johannis Tag nach Christi Geburt 1474 Jahrs unserer »Reich des Römischen im 31, des Kayserthümes im 19, und des Un- »garischen im 13 Jahr — Wir haben nemlich auf solch Fürnehmen »so der Hochgebohrne Carl Marggraf zu Baden u. Graf zu Sponheim »unser lieber Schwager und Fürst an etlichen Juden geschieht u. Handel »halb die sie an Christen-Menschen sollen begangen haben, 21* *

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