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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 321

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 321 (sequence 6)
Language
German
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Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 321 licher Erwähnung getan habe, ohne jedoch den Ausgang mit Sicherheit darlegen zu können. Ein Knecht Hans Gisenbrecht1) aus Sexau bei Waldkirch versucht, einem Freiburger Tuchhändler unter dem Vorgeben, der Amtmann von Hochberg habe ihn darum geschickt, Tuch abzuschwindeln. Der Gauner wird in das Gefängnis geworfen. Der Freiburger Rat achtet darauf, daß der Inhaftierte noch mehr Verbrechen »uff seiner Huben hat«. Wo man frägt, bekommt man Antwort. Ein Jude aus Mühlhausen i. E., namens Mathis, wird von dem Gisenbrecht beschuldigt, daß er ihn mit einem Briefe, in welchem Blut verlangt wurde, an Salomon von Waldkirch geschickt habe2). Auffallend ist die Fülle der Namen, während 1m ersten Teile nur der »Pfaffjud« namhaft gemacht worden ist. Dieser Salomon habe ihn aufgefordert, frisch aufgefangenes Christen״ blut zu bringen. Mit Juden zusammen habe er gestohlen, sieben Menschen ermordet, einem Geistlichen den Hof angezündet und dazu »on sunder marter veriehen«, daß er zwei Jahre früher hinter Waldkirch im Tetenbach für 10 Gulden Lohn den Knaben Anthony Sürwasser mit den Juden und für sie getötet habe. Außer Salomon und Mathys3) sei auch ein Jakob aus Bollweiler i. E. dabei gewesen. In einem schwarzen, innen vergoldeten Geschirre hätten sie das Blut aufgefangen. Des weitern habe er eines Küfers Kind aus Waldkirch genommen und zu den Juden gebracht, die aus einer Wunde desselben Blut aufgefangen haben und das Kind wieder gehen ließen; »damit kam es untodt davuon«. Zwei Juden, Zacharias und Hiob, haben von ihm 0 Ich habe Gieselbrecht gelesen. '2) Im Protokoll heißt er Ameth (?) ־— Diesen Brief will der Knecht vor Krotzingen fortgeworfen haben — hat ihn demnach nicht bestellt. 3) Der im Protokoll nicht genannt wird. Das ist 9 oder 10 Jahre her. Das Blut sei dem Joachim in Ensisheim und auch nach Bollweiler gebracht worden. Überall das Bestreben, möglichst viele Juden aus verschiedenen Gegenden hineinzuverstricken. Monatsschrift, 50. Jahrgang. 21

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