Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 318

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
Date
1906-01-01
Page
Seite 318 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886864--34532-2886945
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

318 Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. »da schweißt das kindt, das blut schriey rach, »und was dar vor on blut gesin«. Der Amtmann trägt den Mann ohne Weiterung, was ihm die Juden dafür gegeben haben, daß er sein eigen Fleisch und Christenblut verraten habe. Vers 173 ff.: »Sag an du dieb »was hond dir diuden thon zu lieb »das du din fleisch und cristenblut »verraten hast umb zytlich gut?« »Ohne Marter« gesteht er reuig zu. Nur weigert er sich, Namen zu nennen und wiederholt nur, der alte Jude in Waldkirch1) habe ihm das Geld gegeben. Sein Knabe hätte den Juden gepaßt. Er bleibt bei der vagen Aussage: »sie müstend haben cristenblut darzu wer mein kindt ser vast gut, das noch nit alt was süben iar doch über sechs was es zwar!« Auf der Folter macht er die Erwartung des Inquirenten zunichte — denn er gesteht: »Ich habs in Hals gestochen«. Das Kind habe gerufen: »Mort! lieber vater.. .hör uf mich stechen, ee mir gschwindt«. Das Blut hätte er den Juden zum Kaufen anbieten wollen. Darüber, wohin er das Blut getan hat, verwickelt er sich in Widersprüche2). Trotzdem setzt es der Amtmann bei Konrad Stürze! (v. Kitzingen, Dr. jur. — dem Ritter, der Eigentümer des Dorfes Buchheim3) war) durch, daß die Sache weiter ver- ג) Ort bei Freiburg,וזג welchem noch jetzt keine Juden wohnen. 2) Hans Gisenbrecht (cfr weiter) sagt bei seiner Vernehmung (Alemannia XXVII, S. 283% dass er mit dem Mülhauser Mathis nach der Tat dahin gekommen sei. Beim Morde sei ein kurzer Jude mit buschigem Haar und noch drei oder vier andere anwesend gewesen. Der Vater habe diesen das Kind verkauft. 3) Liegt etwa eine viertel Stunde von dem 8 Kilometer von Freiburg entfernten Hugstetten in der Ebene zwischen Kaiserstuhl und Schwarzwald.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.