Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 317 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886864--34531-2886944- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern. 317 fasse!* hat. Die Christen,* so beginnt es, sollte die Juden fern halten, die aller Untreue voll sind. Das weiß die Himmelskönigin, der sie das Kind gemartert haben. Die Juden dürsten nach Ghristenblut. Am Osterdienstag habe »das jüdisch volk« einem Manne, namens Philipp, aus dem Dorfe Benzhausen in der Mack (in der Umgegend Freiburgs) guten Gewinn für ein Kind versprachen, das er ihnen in dieser Osterzeit schaffen soll. Am andern Tag kam »Pfaff1) iud« zu dem Vater, er möge ihnen sein eigenes Kind geben, das Mathys Heißt. Sie wollen es nur mit Alen »stupfen«2), ihm etwas Blut entziehen, aber sein Leben nicht gefährden und viel dafür zahlen. Der Vater redet dem Kinde vor, ein Junker aus Freiburg, dem er es vermietet habe, werde es holen. Der Jud entkleidet das Kind, entzieht ihm das Blut, legt die Leiche aufs Gesicht »als wer es gefallen on geschieht«. Andere Hirten werden durch das Brüllen des Viehs aufmerksam und finden den Toten »und sahend, das es blutloß wer. »Ganz wyß tpd lag es in dem gras »also bis an den dritten tag.« Inzwischen war der Vater Philipp wegen Diebstahls verhaftet worden. Der Amtmann frägt ihn auch, wer das Kind getötet habe. Seine Forderung, die Leiche möge hergebracht werden, erfüllt der Herr. Die Glieder des Toten sind weich, und als er in die Nähe des Schlosses kommt, 1J Professor Pfaff hat es sich leicht gemacht und nicht versucht, diese Bezeichnung des Juden Nathan, der zuerst in Waldkirch und dann in Mülhausen im Elsaß wohnhaft war, irgend wie zu erklären. Daran ist nicht zu denken, daß der Volksmund einen Rabbi etwa den Judenpfaffen genannt hätte Mir scheint es der Talmudische Name פפא Papa zu sein, aus dem wohl die noch heute üblichen Vornamen Pfeifer (Österreich: Poper) entstanden sind. 2) Stechen.