Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Blutbeschuldigung in oberbadischen Liedern aus dem 15. und 16. Jahrhundert
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 1)
- Language
- German
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316 Die Blutbeschtitöigung ia oberbadischen fledern ans Sem 15. nab 16. Jahrhundert. Von Adolf Lewin. Die Alemannia, Zeitschrift für Sprache, Kunst und Altertum, besonders des alemannisch-schwäbischen Oebiets1), bringt in ihrem 27. Jahrgange (Freiburg 1900) einen Wiederabdruck des der Stadtbibliothek in Freiburg gehörenden Reimgedichtes, welches, 809 Linien groß, 1559 wohl bei Johannes Grüninger in Straßburg gedruckt worden ist. Kindermorde, die von Juden in der Umgegend Freiburgs verübt worden sein sollen, bilden den Gegenstand des Gedichtes, das wir hier zur Besprechung bringen, obschon wir nicht der Meinung des Herausgebers sind, daß »es seines kulturgeschichtlich merkwürdigen Inhalts halber«, »ebenso wie das Judenspiel von Endingen (herausgegeben von Karl v. Amira) ans Licht gezogen zu werden verdient«. Uns ist׳ es vielmehr״ ein Dokumeht־ der Unkultur, das freilieh —■ ohne es zu beabsichtigen — bekundet, wie zur Zeit seiner Entstehung die gehässige Verlogenheit gegen die Juden weniger dreist und ungescheut hervortritt und überhaupt nicht mehr alle, hoch und niedrig, so in ihrem Banne hält, wie noch dreißig Jahre vorher. Nicht Eck (der Bekämpfer Luthers), dem der Herausgeber am liebsten die Abfassung zugeschrieben hätte, sondern Thomas Murner (geb. 1475) soll der Verfasser sein, was aber eine eben so haltlose Vermutung ist. Als Volksdichtung und Spiegel der Volksmeinung bleibt das Gedicht wertvoll, wenn es auch keinen berühmten Ver- 9 Begründet von Anton Birlinger, jetzt herausgegeben von Friedrich Pfaff, Professor und Bibliothekar an der Universität Freiburg.