Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien zum Buche Esther
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 313 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886863--34526-2886940- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
813 Studien zum Buche Esther. Es genügt zu ihrer Charakteristik nur darauf hinzuweisen, daß die ganze Notiz von den Landlosen, die sieh bei Josephus (Altert. 14, 36) findet, historisch durchaus wertlos ist. Diese Hypothese Willrichs ist daher mit Recht auch ohne jeden An klang in den wissenschaftlichen Kreisen geblieben1). 6. Hugo Win ekler hält das Buch Esther1) für ein Elaborat, in welchem Stoffe aus verschiedenen Zeiten und Gegenden verarbeitet sind. Die Geschichte des Loswerfens gehört nach ihm überhaupt nicht in die persische, sondern in die assyrische Zeit. Den Anfang der Erzählung bezieht er auf Kambyses, den Schluß auf Darius und auf Antiochus '׳ III. AhaSveros ist also Kambyses Darius Nabochodnozor Antiochus HL Der Ursprung der Erzählung ist, nach Winckler, astralmythologisch : Ahasveros Bel Himmelsgott; Mordechai Marduk Frühlingssonne; Haman Nebo Herbst- 1) Justi (Beniner philolog. Wochenfest 1902) sieht im Buche Esther den Kern eines historischen Ereignisses aus der seleuzidischpartischen oder Arsazidenzeit, und zwar, meint er, könne es sich hier nur um einen kleinen Aufstand gegen die Juden in irgend einer Stadt handeln, wobei eine jüdische Favoritin und ein jüdischer Höfling die Gefahr abgewandt hätten. (Vgl. auch früher Ewald, Gesch. d. V. Israel III, 2 und Hitzig Gesch. Israels 279.) Dieses Ereignis sei nachher anteäatiert worden, wodurch das Fest im Laufe der Zeit in ganz Israel Verbreitung gefunden habe. Derartige Lösungsversuche fördern das Problem in keiner Weise und verdienen daher auch keine nähere Beachtung. Auch bleibt Hitzigs Hinweis auf Kremer (Mittelsprien 127) und Petermann (Reise im Orient 118) wonach »Pur« bei den dortigen Arabern »Neujahr« ist, ganz belanglos, da kein arabisches oder syrisches Lexikon dieses Wort kennt. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieses neuarabische Wort, welches die genannten Gelehrten nur bei den Arabern in und um Palästina herum gefunden haben, jüdischen Ursprungs ist. (Auch im Talmud wird Purim stets, auch im stat. absol. פוריה genannt, vgl. Sanhedrin 11 b.) Bleecks Vermutung, daß Purim die Feier der Befreiung aus dem babylonischen Exil darstelle, ist ein totgeborenes Kind. *) Altorient. Forschungen III, I, 1, 1901, vgl. auch OL. 1901, 1, 11,6, 238.1900,10,368.