Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Studien zum Buche Esther
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 16)
- Language
- German
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304 Studien zum Buche Esther. •findet bekanntlich immer im Monat Ab Juli statt1). Was hat dies nun mit Purim zu tun? So sehen wir, daß die assyriologische Hypothese, die jetzt das ganze Gebiet der Estherforschung beherrscht, und von der die Exegeten die endgültige Lösung dieses Problems mit Bestimmtheit erwarten, noch viel weniger als alles andere hierzu verwendete Material geeignet Ist, uns eine auch nur einigermaßen befriedigende Lösung des Estherproblems zu geben. Was in dieser Hypothese nur irgendwie wahrscheinlich schien, haben wir gerne akzeptiert. Wir konnten dies aber, außer bei der etymologischen Verwandtschaft zwischen Mordechai Marduk und Esther IStar, nirgends sonst tun. Diese philologischen Beziehungen beweisen aber nicht das mindeste für die Verwandtschaft der Figuren, zumal solche Namen in der spätbabylonischen und persischen Zeit sehr häufig waren. Aus dieser im Zentrum der modernen Exegese stehenden Hypothese, hat sich nun eine Anzahl von Zweighypothesen entwickelt, die im großen und ganzen auf der Jensen-Zimmern'sche Hypotese fußen, aber doch manches davon fallen lassen und diese Lücken mit fremden, nichtassyriologischen, teilweise ältern Elementen ausfüllen. Wir wollen diese^dem Leser zur Beurteilung in Kürze verführen: 1. Meissner in Bd. 50 der ZDMG. will die direkte Entlehnung des Purim vom Zagmugfeste nicht zugeben, ף Vgl. K. B. 249, S. A. Smith. Asurbanipal III, 11, K. 2652. Wenn die Assyriologen einmal mit der talmudischen Literatur vertraiter sein werden als heute, werden sie vielleicht statt des fern liegenden Purimfestes, eher das nahe liegende jüdische Volksfest vom 15. Ab, als Analogie für das Istarfest des Ab-Monats heran» ziehen. Der Umstand, daß חמשד. עשר באב ein allgemeines Verlobungsfest war (B. Taanith 26 b, Baba bathra 121 b), wird diesen Vergleich mit dem Feste der Liebesgöttin lstar noch sehr verstärken. Wer jedoch nicht für jedes Moment der isr. Religionsgeschichte ein babyl. Vorbild suchen zu müssen glaubt, den werden die im Talmud (Rosch ha-Schana 18 a Thaanith 30 b) gemachten Angaben über die Bedeutung dieses Festes auch befriedigen.