Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 29)
- Language
- German
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Judentum und Christentum. 285 gedeihen konnte, und Es che Iba eher führt in dem letzten Kapitel seiner Schrift noch einmal seinen Werdegang vor, zeigt, wie aus dem Messias der Juden der Erloser der Menschheit wurde, und wie Paulus als Apostel der Heiden die Trennung der Heidenkirche von dem Judenchristentum vorbereitete und den Messias zum Heiland mit göttlichen Attributen umschuf; er zeigt ferner, welche Einflüsse tätig waren, dem neuen Glauben die weite Verbreitung zu sichern, und wie sich als Folge der völlig gewandelten Anschauungen langsam die Bildung selbständiger christlicher Gemeinden vollzog1). In diesen Gemeinden aber lebte ein starker Missionstrieb, der sich vom zweiten Jahrhundert ab hauptsächlich der Bekehrung von Heiden zuwandte und dadurch zwar die Abkehr vom Judentum yerstärkte, aber dem Alten Testamente seine Bedeutung als »unerschütterliche Grundlage und unentbehrlichen Geistesquell« nicht zu rauben vermochte2). Naturgemäß waren auch die gottesdienstlichen Einrichtungen der Christen dem Judentum entlehnt und in den ersten Jahrhunderten die völlig gleichen, bis endlich auch Sabbath und Feste um der Unterscheidung willen auf andere Tage verlegt, die Organisation eine andere wurde und die erhöhte Bedeutung der kirchlichen Ämter zum Ausbau einer mächtigen Hierarchie führte, die jeden, der es wagte, in seinem Glauben von ihren Lehren abzuweichen, als Ketzer verfolgte, vor allem die »Christen der Beschneidung«, die christgläubigen Juden, die noch ihren alten Bräuchen treu geblieben waren3). Daß diese Entwicklung eine Folge der paulinischen Briefe war, die das jüdische Gesetz als »einen Fluch Gottes«, als eine Veranstaltung »zur Mehrung der Sünde« ansehen, erkenntauch Eschelbacher an; aber in Übereinstimmung mit vielen christlichen Kritikern erklärt er 1y Eschelbacher, S. 136. *) a. a. O. S. 139. 3) a. a. O. S. 144.