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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 284 (sequence 28)
Language
German
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284 Judentum und Christentum, doch der wesentliche Inhalt des Judentums ungetrübt aufrechterhalten blieb, ja, daß es gelang, diesen Inhalt weiten Kreisen der heidnischen Welt zugänglich zu machen. Zweifellos ist es auch, daß es Philo war, dessen Werke großen Einfluß auf die Fortentwicklung der christlichen Lehren ausgeübt haben, und ebenso zweifellos, daß die religiöse, moralische und philosophische Fragen behandelnden Vorträge in den Bethäusern der Synagoge viele Anhänger gewannen und dem Judentum die Anerkennung verschafften, die es vorher entbehrt hatte. Je weiter sich aber seine Lehren ausbreiteten, destomehr wurde die Religion »entschränkt«; sie hörte auf, das Besitztum eines einzelnen Volkes zu sein, und die Juden wurden sich mehr und mehr ihrer hohen Mission bewußt, Gott der Welt zu bringen1). Dabei nahmen sie Abstand von allen beschränkenden Vorschriften, die für die geborenen Israeliten, für das auserwählte Volk von Priestern, galten; von allen andern wurde, wenn sie nicht als Proselyten der Frömmigkeit freiwillig alle Pflichten auf sich nahmen, nur die Anerkennung des einig-einzigen Gottes und die Beobachtung des Sittengesetzes, der natürlichen Religion der Menschheit verlangt2). Auch die Fremdlinge, die in den Städten Palästinas wohnten, erfreuten sieh aller staatsbürgerlichen Rechte, wenn sie die noachidischen, das heißt die für alle Menschen gültigen Gebote, inne hielten, und ihnen gleich wurden alle geachtet, »die Gott fürchten«, mochten sie welchem Volke auch immer angehören. Immer weiter drangen die israelitischen Lehren im Osten und Westen vor; Worte der Bibel waren in den Kreisen der Gebildeten heimisch, und griechische Gemeinschäften vereinigten sich, dem höchsten Gotte, der erhaben und ewig ist, dem Schöpfer und Erhalter, zu dienen3). Das war auch der Boden, auf dem das Christentum ג) Eschelbaeher, S. 121. 2) a. a. O. S. 123. 3) a. a. O. S. 127.

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