Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886862--34492-2886907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280, Judentum und Christentum. Streite des Apostels Paulus gegen seine christlichen Gegner und der späteren christlichen Sekten unter einander zeigt1). Der Begriff des Pharisäismus, wie er sich aus den Er- Zahlungen des Neuen Testamentes entwickelt hat, fehlt nach Harnacks eigner Klage, auch nicht in der christlichen Kirche. Auch hier finden wir das stolze Herabsehen auf andre, die Selbstgerechtigkeit und zur Schau getragene rein äußerliche Frömmigkeit, Eigenschaften, auf deren Boden allein der Rassendünkel gedeihen konnte, der zum Antisemitismus führte2 3;. Das wirkliche Bild des Pharisäers ist ein ganz anderes. Die vielgeschmähten Schriftgelehrten besaßen hohe sittliche Eigenschaften, die derselben Quelle entstammten, aus der jesus geschöpft hatte. Sie huldigten, wie er, der selbstlos wirkenden Liebe, wenn er auch die Lehre von der Feindesliebe und der Nachgiebigkeit eigenartig ausgestaltet hat und den Kampf gegen die böse Leidenschaft soweit ausdehnte, daß er Enthaltsamkeit von der Ehe verlangte, während sie in der Ehe eine von Gott gebotene, heilige Einrichtung sahen8), wie sie ferner mit ihm nicht in der Wertschätzung der freiwilligen Armut übereinstimmten, sondern es für genügend erklärten, den fünften Teil des Vermögens den Armen zu opfern. Dem Salomonischen Liede vom Biederweibe aber ist zu entnehmen, daß die Frau schon damals eine Achtung gebietende Stellung bei den Juden einnahm, und wie diese Schilderungen mehr den Anschauungen der Gegenwart entsprechen, so ist es auch hinsichtlich der Bedeutung der eigenen Arbeit im Gegensatz zu der Lobpreisung des beschaulichen Lebens im Neuen Testamente, die in der katholischen Kirche dahin geführt hat, daß nur der Mönch als wahrer Christ angesehen wird4). Der Nach- 0 E s c h e 1 b a c h e r, S. 80. *) a. a. O. S. 84. 3) a. a. O. S. 87 4) a. a. O. S. 89.