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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 279

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 279 (sequence 23)
Language
German
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Judentum und Christentum. 279 des alten Bundes und von den Schriftgelehrten verkündigt worden. Er, der selbst das vollendete Bild seiner Lehren war1), hat nur die altbiblischen Vorschriften in die praktische Tat umgesetzt. Er ist darin seinen Vorbildern, den Pro־■ pheten und Johannes dem Täufer, gefolgt; aber lange vor ihm war schon das Gebot der werktätigen Liebe, die zu üben war »an Armen und Reichen, an Lebenden und Toten, mit dem Besitze und der ganzen Persönlichkeit des Menschen« und hoch über der durch Geld zu .leistenden einfachen Wohltätigkeit stand, als einer der Pfeiler der Welt hingestellt worden2]. Lange vor ihm war eine großartige soziale Gesetzgebung ausgestaltet, und der Wert der Gerechtigkeit, der persönlichen Liebeswerke, war ebenso allgemein anerkannt, wie das Gebot der Liebe selbst, das Hillel in die Worte zusammen faßte: »Was dir zuwider ist, das tue auch keinem andern«, und das von der Thora bereits auf den Fremdling, der im Lande weilt, ausgedehnt worden war3). Dem Feinde allerdings sollte zwar Hülfe und Beistand gewährt werden; ihn zu lieben aber wurde nicht geboten, weil man für unerreichbar hielt, was auch das weitgehende christliche Gebot nicht erzielt hat: die völlige Selbstverleugnung, die Aufgabe jedes Kampfes, und für erfüllbar nur die Forderung, den schwachen und überwundenen Gegner zu schonen. In allen anderen Lehren herrschte eine fast vollständige Übereinstimmung zwischen Jesus und den Pharisäern, und der Kampf gegen sie entstand erst aus ihrer Weigerung, ihn als den Messias anzuerkennen. Seine scharfen Formen nahm er an, als nach der Zerstörung des Tempels die bisherigen Machthaber, die Sadduzäer und Priester, ihre Gewalt einbüßten und die Pharisäer die geistige Führerschaft übernahmen. Es ist dasselbe Bild, das sich in dem 1j E s c h e 1 b a c h e r, S. 69. 2) a. a. O. S. 72. 3) a. a. O. S. 76.

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