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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 278

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 278 (sequence 22)
Language
German
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278 Judentum und Christentum. der Propheten Bestätigung findet, trägt jeder seine Schuld selbst1). Die Opfer der alten Zeit wurden nach der Tempel• Zerstörung ersetzt durch Übung guter Werke; die talmudisehen Schriftsteller preisen Israel glücklich, daß es »seine Reinigung von Sünden suche und finde bei seinem himmlischen Vater«, und auch Philo lehrt, daß die Seele sich selbst erlöse, indem sie sich zu Oott emporringe, während die christlichen Theologen den Logos vom Himmel herabsteigen lassen, um als Mensch die Menschen zu erlösen, eine Ansicht, deren fernere Entwicklung fast mit Notwendigkeit zu der Lehre von der Gnadenwahi2 *) führen mußte, wie sie von den Kirchenvätern festgestellt worden ist. Das Volk freilich beschäftigte sich wenig mit solchen schwierigen Begriffen; es kannte nur seinen Heiland und Erlöser, der die Sünden vergibt und selig macht, und es ergab sich bald einem Heiligenkult, der sein Enstehen dem Bestreben verdankte, das Göttliche auch fernerhin sinnlich wahrzunehmen. Gegen diese Anbetung von Bildern und Verehrung von Reliquien hat die Reformation sich gewendet; sie ist in ihrem Fortschreiten zurückgekehrt zu den einfachen Lehren der Bibel, die ganz im Sinne des Alten Testamentes ein Verehren Gottes, des Hochthronenden, »im Geiste und in der Wahrheit« verlangten, und immer weiter breitet sich die Erkenntnis aus, daß die religiösen Lehren und philosophischen Grübeleien der späteren Zeit nichts mehr zu ändern vermocht haben an dem Gotte, den der große Prophet Israels verkündet, und daß »auch den Gebildeten unserer Tage nur die Wahl bleibt zwischen dem Gotte des Jesaias und dem Atheismus«8). . Nicht anders steht es mit der »ethischen Botschaft« von der besseren Gerechtigkeit und dem Gebot der Liebe. Sie ist lange vor Jesu von den Propheten 1J E s c h e 1 b a c h e r, S. 63. 2) a. a. O. S. 64. *) a. a. O. S. 68.

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