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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 277

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 277 (sequence 21)
Language
German
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Judentum und Christentum. 277 rem O o tt« (V. M. 14, 1), und die Bitten des Vater Unser finden sich häufig im gleichen Wortlaut verstreut in den Gebeten des Alten Bundes. Auch die Lehre von Gottes Vorsehung durchzieht die ganze Heilige Schrift, und der Wert jedes einzelnen Menschen ist scharf und klar hervorgehoben in dem Satze: »Gott schuf den Menschen i n seinem E b e n b i 1 d e« (I. M. 1, 36). Diese Auffassung, die allem, was Menschenantlitz trägt, das Recht auf Gottes Vatergüte, aber auch auf die Liebe und das Erbarmen seiner Nebenmenschen gibt, konnte kaum noch erweitert werden, auch von Jesus nicht, wenn auch Harnack es für ihn in Anspruch nimmt, und auch eine Änderung des Gottesbegriffes konnte nur eintreten infolge der Auffassung, daß Jesus der Sohn Gottes sei1). Jesus selbst betont das immer, indem er, wenn er von Gott mit seinen Jüngern spricht, nie von »unserm«, sondern stets von »ihrem« Vater redet, während er in Beziehung auf sich »mein Vater« sagt. Allerdings haben erst die von Paulus bekehrten Heidenchristen die Lehre von der Gottessohnschaft ausgebaut. Die vom griechischen Geiste beeinflußten Heiden- Christen, die es gewöhnt waren, sich ihre Götter in Menschengestalt vorzustellen, nahmen den philosophischen Begriff des Logos auf, nach Philos Erklärung das Mittlere zwischen Gott und Welt, und übertrugen ihn auf ihren Heiland, der von nun an zum göttlichen Wesen erhoben wurde, und ihm trat der heilige Geist zur Seite, ursprünglich die Kraft, von der die Propheten beseelt waren. So entstand das Dogma von der Dreieinigkeit2), das vom vierten Jahrhundert ab bindend wurde, und dem sich bald die dem Alten Testamente fremde Lehre von der Erb- Sünde zugesellte. Nach der jüdischen Anschauung, die sowohl in den Erzählungen der Bibel, wie in den Worten 1) Escnelbacher, S. 59. 2) a, a. O. S. 6 .

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