Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 20)
- Language
- German
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276 Judentum und Christentum. hundert immer üppiger emporwucherte, hat schlimme Früchte getragen; Ströme von Blut schuld- und wehrloser Juden mußten fließen zur Sühne für das angeblich von ihnen vergossene Blut Jesu1). Die Gewalt, welche das Christentum als Staatsreligion gewann, benützte es, die Juden unter Ausnahmegesetze zu stellen, sie in eine minderwertige Lage herabzudrücken und sie mit allen Mitteln der Macht zu verfolgen. Was halfen die Religionsdisputationen, da doch der eine Hinweis den Unterdrückten versagt blieb: das Reich des Friedens war noch immer nicht angebrochen. Was half ihre Überzeugungstreue, die man als Hartnäckigheit ansah? Ihre Messiasidee war in den Augen der Gegner auf »Machtbesitz und äußeren Triumph« gerichtet, und selbst heute noch erkennen so freisinnige Männer, wie Harnack, nicht den innern Zusammenhang dieser Idee mit dem Glauben an dein einzigen, gerechten und heiligen Gott, deren Ausstrahlung sie nur ist2). Der Glaube an die Güte Gottes und die Güte der Menschennatur und an den endlichen Sieg des Guten liegt ihr zugrunde; ihre Ausgestaltung hat sie im Laufe der Zeiten in mannigfachster Weise erfahren; aber niemals ist sie zur Grundidee des Glaubens geworden, niemals hat sie die Aufmerksamkeit von den Aufgaben der Gegenwart abgelenkt. Sie hat das Ziel gezeigt, das uns gesteckt ist, und die trübe Gegenwart verklärt durch den Ausblick in eine helle und lichtvolle Zukunft®). Der zweite Gedankenkreis, der nach Harnacks Worten den Inhalt des Evangeliums voll ausschöpfen soll, der Gedankreis von Gott dem Vater und dem unendlichen Wert der Menschenseele, lehnt sich gleichfalls an das Alte Testament an. Schon Moses hat gelehrt: »Kinder seid i h r d e m Ewigen, e u- 1) Eschelbacher, S. 46, . 2) a. a. O. S. 49. 3) a. a. O. S. 53.