Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 19)
- Language
- German
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Judentum üud Christentum. 275 daß in der später siegreichen heidenchristlichen Richtung der Begriff des Messias stets unklar geblieben ist1 2). Die Schriftgelehrten konnten ihn nicht anerkennen, denn für sie war der Messias, den sie nach den Worten der Propheten erwarteten, und der das Reich des Friedens bringen sollte, ein Sohn Davids, also ein Mensch; die Evangelisten dagegen schildern ihn als eine »außerordentliehe Erscheinung, die sich göttlichen Ursprung und göttliehe Fähigkeiten zuschreibt«3), die zum Heiland, Erlöser und Retter wird. Nicht von einer überragenden, übermenschlichen Persönlichkeit erwarteten die Juden die Erfüllung ihrer messianischen Hoffnungen, ein Sprößling Davids, des gottesfürchtigen Königs, sollte das Oottesreich auf Erden herbeiführen, dessen Kennzeichen es sein sollte, daß alle Völker den Namen Gottes anerkennen, daß der Ewige König sein werde über die ganze Erde an dem Tage, da er einzig sein wird und sein Name einzig. Ein Reich auf Erden war es, das sie erhofften, nicht ein Reich des Übernatürlichen und Wunderbaren, wie es Jesus schildert, und wie es in enger Verbindung steht mit dem Dämonenglauben des Neuen Testamentes, der dem Judentume so vollkommen fremd ist, daß es nicht einmal den Teufel kennt. Nur bei den Essäern waren solche Ansichten heimisch, nur bei ihnen fand sich der Wunderglaube und die asketische Lebensweise, die auch die Jünger Jesu teilten, und als Wundertäter erscheint Jesu in den Berichten der Apostel. Die Erklärung seines Messiastums, die ihm Scharen von Anhängern brachte, hatte auch den politischen Prozeß zur Folge, der mit seiner Kreuzigung endete, und der — offenbar mit Unrecht — von den Evangelien den Juden zur Last gelegt wird. Der Haß, der hier im Gegensätze zu Jesu Lehre ausgesäet wurde und seit dem zweiten Jahrx) E s c h e 1 b a c h e r, S. 37. 2) a. a. O. S. 39. 18*