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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 274

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 274 (sequence 18)
Language
German
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274 Judentum und Christentum. berechtigt: Wo blieb die reinigende Wirkung, da das Wort und die Erscheinung Jesu unter seinen Anhängern nach Harnacks eignem Zeugnis nur blutigen Streit und Hader hervorgerufen hat? Die Verwerfung des Glaubens an die Gottheit Jesu durch den liberalen Protestantismus hat Harnack leider nicht abgehalten, ungerecht gegen die Pharisäer und S chriftgelehrten zu sein, die doch ihrerseits nie aufgehört hatten, in der Lehre zu forschen und als obersten Grundsatz ihres Handelns das Wort von der Nächs t e n 1 ieb e auf gestellt hatten. Und wie dieses Gebot, so hat Jesus auch die Idee vom Reiche Gottes den religiösen Überlieferungen seines Volkes entnommen. Nach Harnack ist die rein äußerliche Vorstellung von der zukünftigen Herrlichkeit des Gottesreiches auf Erden der alten Anschauung entlehnt, dagegen der Gedanke neu, daß es bereits in uns vorhanden ist. Aus vielen Stellen der Heiligen Schrift läßt sich das gerade Gegenteil nachweisen, und auch die Schriftgelehrten haben Worte geprägt, wie das von der »Ehrfurcht vor dem Himmel« und vom »Himmelreiche«1). Dem Glauben an die Messianität Jesu aber entsprang der Gedanke an das Kommen des Gottesreiches in einer allerdings sehr nahen Zukunft. Er selber sollte es bringen und als göttlicher Richter an der Seite des Vaters thronen; denn der. Messias des Neuen Testamentes war kein Mensch mehr; er besaß alle Attribute der Gottheit, und obwohl Harnack an diesem Grundpfeiler des Evangeliums nicht zu rütteln wagt, vermag er sich doch nur schlecht mit dem Wider- Spruche abzufinden, in dem der Glaube an den göttlichen Messias zu seiner eignen Anschauung von der Menschheit Jesu steht. Auch der anderen Behauptung, daß Jesus nur als Messias die absolute Anerkennung gewinnen konnte, steht die Tatsache gegenüber, daß die geistigen Führer seiner Religionsgemeinschaft sie ihm versagt haben, und ג) Esch־elb acher, S. 84.

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