Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 273 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886862--34485-2886900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Judentum und Christentum. 273 Kunde hat, daß man nichts besitzt, als die Berichte der Evangelien, die allerdings nicht als treue historische Urkünden zu betrachten sind, und deren Schmähreden gegen die Pharisäer Kampfschriften einer Partei gegen die andere sind? Nur aus dem Wirken der Propheten kann Jesu Wirken erklärt werden. Das konnte von Harnack nur übersehen werden, weil ihm, den! großen Kenner des Neuen Testamentes und seiner Folgeerscheinungen, das Alte Testament ein minder bekannter Boden zu sein scheint und seine Ansichten über das Judentum zur Zeit Jesu der »israelitisehen und jüdischen Geschichte« von Wellhausen entlehnt sind1). Ebenso ist es der Unkenntnis der nachbiblischen Literatur zuzuschreiben, wenn derselbe Mann, der zugibt, daß die religiöse Kraft und Innigkeit, die aus den Psalmen und den Worten der Propheten spricht, nicht übertroffen werden kann, daß es soviele Jahrhunderte nach der Offenbarung Gottes durch Moses nichts neues auf dem Gebiete des Monotheismus geben kann, daß dieser selbe Mann doch von der getrübten Quelle redet, die erst durch das Wort Jesu wieder die Kraft gewann, sich einen neuen Weg durch Schutt und Trümmer zu bahnen. Auch im Judentum floß die Quelle des Heiligen stets in ungetrübter Reinheit, und die lebendigen Kräfte, die darin jederzeit walteten, haben auch fort und fort ein Feuer entzündet, »das nun mit eigner Flamme brennt«2). Die Vorschriften des Talmud, die Sabbath-, Speise- und Reinheitsgesetze, die schon von den Pharisäern übernommen worden sind, sie alle hatten und haben nur den einen Zweck, in dem Volke Israel die uralten Tugenden zu erhalten, durch die es sich ausgezeichnet hat, und wenn Harnack das Neue in der Verkündigung Jesu in deren Ernst und Kraft sucht, so ist dem gegenüber die Frage נ) E s c h e I b a c h e r, S. 22. 2) a. a. O. S. 27. Monatsschrift, 50. Jahrgang•. 18