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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 272

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 272 (sequence 16)
Language
German
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272 Judentum und Christentum. wirklich zum Siege gelangen, dann muß nach Harnacks eigner Forderung zurückgekehrt werden zum Wesen des Christentums, der Predigt, das heißt, der ursprüngliehen Lehre Christi und dem Vorbildlichen seiner Persönlichkeit. Damit verwirft er nicht weniger als die gesamte Christologie, alle jene Dogmen, die auch von den Juden niemals anerkannt worden sind, und hält nur die Lehren fest, »welche der Mensch Jesus in Judäa dem um ihn sich sammelnden Volke gepredigt hat«1). Diese Lehre aber, worin besteht sie? Drei Hauptgedanken sind zu unterscheiden : Das Reich Gottes und sein Kommen, Gott der Vater und d e r unendliche Wert der Menschenseele, die bessere Gerechtigkeit und das Gebot der Liebe. Harnack selbst bezeichnet diese drei Kreise als die Grundlage des Christentums, und Eschelbacher unternimmt es, ihm auf seinem Wege zu folgen, um an der Hand seiner eignen Darlegungen zu zeigen, daß die Lehren des Christentums, denen der bedeutende Theologe ewige Dauer zuspricht, von jeher im Judentum vorhanden waren. Das läßt sich auch nicht abtun durch das Anerkenntnis dieses Faktums mit dem Hinweis darauf, daß die Pharisäer aber leider noch vieles daneben hatten, und Harnack selbst bestätigt, was er bestreiten will, daß Jesus unter dem Einflüsse des jüdischen Geistes der damaligen Zeit gestanden habe. »Er lebte in der Religion, und sie war ihm Atmen in der Furcht Gottes, sein ganzes Leben, all’ sein Fühlen und Denken war in das Verhältnis zu Gott aufgenommen.« Ist das nicht, wie Eschelbacher mit Recht behauptet, »die ganze damalige, aus den Gedanken und Gefühlen der Heiligen Schrift schöpfende Geistesrichtung seines Volkes«2). Sagt es nicht genug, daß man über die Entwicklungjesu in den ersten dreißig Jahren seines Lebens keinerlei *) Eschelbacher, S. 19 f. *) a. a. O. S. '21.

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