Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 12)
- Language
- German
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268 Judentum und Christentum. Ebenso beherzigenswert sind die Ratschläge hinsichtlieh der Ausgestaltung der kleinen Gemeinden. Der Jude, der, abgeschlossen von der großen Schar seiner Glaubensbrüder, auf dem Dorfe oder in den kleinen Orten wohnt, bedarf nicht minder der geistigen Nahrung; er weiß es, daß der Mensch nicht vorn Brote allein lebt. Vernünftig geschriebene Broschüren und Flugblätter, Veranstaltung volkstümlicher Vorträge, der Zusammenschluß vieler durch sich allein nicht lebensfähiger Gemeinden zu einem Bezirksrabbinat könnten Abhilfe schaffen; doch auch hier handelt es sich um Geld und wiederum um Geld. Dem neugegründeten Verbände deutscher Juden weist Samter die Aufgabe zu, diese Organisation in die Hand zu nehmen und für die Aufbringung von Mitteln zu sorgen, die einem schwer wiegenden geistigen Notstand steuern und durch Belehrung seiner Anhänger das Judentum kräftigen und es im Kampfe wider seine offnen und geheimen Feinde stärken sollen1). Doch wer zum Kampfe in der rechten Weise gerüstet sein will, muß auch verstehen, die Macht des Gegners abzuschätzen, und darum lautet Samters zweite Forderung: »Lernet das Christentum kennen!«2) Lernet es kennen, wie es sich heute darstellt in den Worten und Taten seiner Anhänger und ihr werdet finden, daß nicht viel mehr übrig ist von seiner ursprünglichen Lehre. Seine Dogmatik und seine Ethik haben dem Anprall der Jahrhunderte nicht standgehalten. Aufrecht stehen nur noch Kultus und Verfassung, gestützt von dem starken Arme des Staates3). Die erleuchtetsten Geister des Jahrhunderts, die großen Dichter und Denker, derem Gedankenkreise die Bildung der Gegenwart entsprossen ist, stehen in unversehnlichem Gegensatz zum Christentum. »Der moderne ‘) Samter, S. 110. ף a. a. O. S. 111. 3) a. a. O. S. 117.