Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 11)
- Language
- German
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Judentum und Christentum. 267 würde, dann könnte vieles besser werden. Aber aufs innigste zu wünschen und erreichbar wäre dieses Ziel doch nur, wenn, namentlich in den großen Gemeinden, bei weitem mehr Rabbiner vorhanden wären, als dies bis jetzt der Fall ist. Die Anstellung der genügenden Zahl ist allerdings nur eine Geldfrage. Ob Dr. Samter diesen Punkt nicht unterschätzt, wenn er behauptet, daß daran eine so wichtige Angelegenheit nicht scheitern dürfe? Anders steht es mit dem zweiten wunden Fleck, den er berührt, mit dem Besuche der Synagoge. Es ist namentdings nicht jedermanns Geschmack, sich das Recht, an hohen Feiertagen dem Gottesdienste beizuwohnen, erst durch einen teuren Eintrittspreis zu erkaufen, und auch zu jeder andern Zeit gewärtigen zu müssen, vom Besitzer des Platzes fortgewiesen zu werden, ln der Tat bleiben unter solchen Verhältnissen mehr Leute, als man denkt, dem Gotteshause fern, darunter so mancher, der, fromm angelegt, den Mangel dieser Seelennahrung als Entbehrung empfindet, und dem doch die damit verbundene »Geldfrage« unübersteigbare Hemmnisse bereitet. Darunter auch viele, deren schwankende Gemüter durch die Einwirkung eines geordneten und würdigen Gottesdienstes der angestammten Religion wieder zu gewinnen wären. Die Synagoge müßte offen stehen für jeden, der in ihr Erbauung suchen will; auch von ihr sollte gelten: »Klein und groß ist dort gleich, und der Knecht frei von seinem Herrn«1). Vor allem aber sollte sie ihre Pforten weit, weit öffnen der großen Anzahl junger Mädchen, die unter den gegenwärtigen Umständen häufig vergeblich den Eintritt suchen, und die doch als die künftigen Mütter des jungen Geschlechts berufen sind, auch für die Fortpflanzung der Ideen Sorge zu tragen, auf denen das Judentum beruht. Wie jedoch sollen sie Ideen übertragen, die ihnen selber mangeln; wie sollen sie lehren, wenn sie nicht belehrt worden sind? l) Samter, S. 108.