Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
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266 Judentum und Christentum. alles nicht genug, so lange nicht die Kinder für das Judentum gewonnen werden, ln den Kindern liegt die Zu״ kunft. Sie müssen es lernen, die Religion zu lieben, in der sie geboren sind. Unterweisung und Übung der Gebote müssen Hand in Hand gehen, Lehrer und Eltern in gleicher Weise auf den kindlichen Geist einwirken. Förderlich würden auch gut geschriebene deutsche Bücher sein, die, zur Lektüre der Jugend geeignet, die Kinder einführen würden in die Geschichte des Judentums und seine Helden in packender Schilderung vorführten. Ihrer zu wenig sind vorhanden, und die wenigen sind zu teuer1). Für die jungen Leute aber, die ohne Heim in den Großstädten leben, schlägt Samter die Errichtung jüdischer Klubhäuser vor, und er hat wohl leider recht, wenn er hinzufügt, daß es zwar besser wäre, wenn Juden und Christen gemeinsam zur Erholung zusammenkämen, wie sie gemeinsam im Erwerbsleben stehen, daß dies aber unter den jetzigen Verhältnissen noch lange ein frommer Wunsch bleiben wird. Daß Klubhäuser segensreich wirken könnten, daß sie vor den Vereinen, die Vortragsabende veranstalten, die Möglichkeit des täglichen Zusammenseins, der zwanglosen Aussprache voraus haben, ist zweifellos, und so würden sie sicherlich viel »zur Weckung jüdischen Selbstbewußtseins, zur Pflege jüdischer Gesinnung, jüdischer Solidarität und allseitigen jüdischen Interesses« beitragen2). Ob es aber auf diesem oder ähnlichem Wege gelingen wird, das Ziel zu erreichen, das dem Verfasser vorschwebt, die Wiederbelebung des altjüdischen Hauses, das steht dahin. Mehr ist zu hoffen von dem zweiten Mittel, das er vorschlägt. Wenn der Rabbiner in der Tat wieder im jüdischen Hause aus- und eingehen würde, wenn er die einzelnen Glieder seiner Gemeinde genau kennen, und wenn unter den Pflichten seines Amtes die Seelsorge an erster Stelle stehen *) Samter, S. 103. 2) a. a. O. S. 104.