Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Judentum und Christentum [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 265 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829795-2829799-2886862--34477-2886892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Judentum und Christentum 265 die begierig das Evangelium aufnehmen, sondern gerade die Geld- und Geistesaristokratie liefert die Täuflinge oder geht durch die Mischehe und die damit verbundene Taufe ihrer Nachkommen dem Judentum verloren. Daß infolgedessen jüdisches Blut in die höchsten Adelsfamilien eindringt, daß selbst die Herrscherhäuser mit Juden verwandt sind, was hilft es dem gegenüber, daß die geistige Blüte des Judentums von dem Stamme abfällt, dem sie zugehört? Mag auch im Osten noch das Judentum in ungeschwächter Kraft bestehen, hier, wo moderne Kultur herrschend geworden ist, droht die religiöse Gemeinschaft zu unterliegen, und Samt er fragt mit Recht: Was tun? Was tun, daß die Bildung, welche die Taufen verschuldet, nicht zum Fluch und Verderben wird? Und er gibt die Antwort auf seine Frage, gibt sie mit demselben Verständnis und derselben Gründlichkeit, mit der er die Ursachen der Krankheit untersucht hat, an welcher das Judentum leidet. Wer die Wunde geschlagen hat, muß sie wieder heilen. »Die Bildung hat uns die Wunde geschlagen, die Bildung muß sie heilen«, die Bildung und Erziehung, die in uns die Liebe zum angestammten Glauben erweckt. »Lernt das Judentum kennen!« Das ist seine erste Forderung; denn wer das Judentum kennt, muß es lieben und wird es nimmermehr verlassen1). Zu gering sind bisher die Kenntnisse, die über die Geschichte und die Literatur des eigenen Stammes in den breiten Schichten der Glaubensgenossen vorhanden sind, und doch sind sie notwendig, die Angriffe der Antisemiten zurückzu weisen, den Bekehrungsversuchen der Missionare entgegenzutreten. Hier suchen die großen, jüdischen Vereine belehrend einzugreifen; sie leisten viel, und neuerdings haben sich auch erfreulicherweise Frauen zusammengetan, um in der gleichen Richtung zu wirken und zur Neubelebung echt jüdischen Geistes beizutragen. Und dennoch ist das *) S a m t e r, S. 97.