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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 3 · p. Seite 262

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 3
Article
Judentum und Christentum [Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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262 Judentum und Christentum. baren Brandmal, das ihnen aufgedrückt war, und das sie zu Märtyrern ihrer Gesinnung machen mußte. Freilich, diese Gesinnung eben war abhanden gekommen. Woher sollte das im Indifferentismus erzogene Geschlecht den Mut nehmen, allen Schmähungen zum Trotz die Gleichberechtigung zu erkämpfen? Wer nicht sich mit »strafbaren Totschlägern, Gotteslästerern, Mördern und Dieben« auf die gleiche Stufe stellen lassen wollte, wie es die Berliner Kaufmannsgilde noch am Anfang des Jahrhunderts tat, oder vogelfrei sein wollte, wie »Zigeuner und Heiden«1), wanderte aus und brachte in der Fremde deutsches Wissen und Können zu Ehren. »Die meisten blieben im Lande und nährten sich christlich«2). Immerhin übte die Emanzipation des Judentums, die nach der Revolution von 1848 von der preußischen Verfassung bestätigt wurde, einen hemmenden Einfluß auf die Taufen aus, ebenso wie die Reformbestrebungen der Juden selbst, die allerdings nicht nur von der Regierung, sondern auch von der jüdischen Orthodoxie ernsthaft bekämpft wurden. Auch in der Folgezeit unterstützten diepreußi sehen Könige im Gegensatz zu ihrem großen Vorfahren Friedrieh II. die Mission in jeder Beziehung, wenn auch gewaltsame Bekehrungen und Kindertaufen nur noch in katholischen Ländern vorkamen. Besonders im Kirchen- Staat war das bestehende Recht den Juden ungünstig. Dort konnte es sich noch im Jahre 1850 ereignen, daß einem jüdischen Kaufmann, dessen Frau mit seinem Christliehen Commis durchgegangen war und die Kinder mitgenommen hatte, durch richterliches Urteil jedes Anrecht an seine inzwischen getauften Angehörigen abgesprochen und er noch obendrein gezwungen wurde, ihnen allen mit Einschluß des Commis den Unterhalt zu gewähren3). X) S a m t e r, S. 25. 2) a. a. O. S. 27. 3) a. a. O. S. 36.

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