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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 2 · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 255 (sequence 6)
Language
German
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Besprechungen. 255 Aber das half den Juden wenig, es wurde weiter gegen sie gepredigt, bis im Jahre 1721 ein neuer großer Brand ausbrach, der aber diesmal gerade an den Toren der Judenstadt halt machte. Er erhielt den Namen * Christenbrand« und die Juden hatten jetzt Ruhe. Daß sie von ihren andersgläubigen Stadtgenossen sich alles Bösen versahen, ist unter diesen Umständen begreiflich. Bei dem großen Brand von 1711 mußte der Rat die Tore des Ghetto mit Gewalt erbrechen lassen, weil die Juden befürchteten, die zur Hülfe herbeieilenden Scharen wollten plündern. Und — sie hatten damit vielleicht gar nicht Unrecht, denn »in vielen Fällen vergaßen die Helfer, die geretteten Gegenstände ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben«. Kracauer schildert uns eingehend auch das innere Leben der Juden. Eine Reihe unerwarteter Erscheinungen tritt uns da entgegen. Da ist z. B. der bekannte R. Naftali Cohen, der Rabbiner der Frankfurter Gemeinde, während des großen Brandes von 1711. Er war in Polen, in Lublin, geboren, aber als Kind von den Tartaren gestohlen worden. Bei diesen hatte er lange Jahre die Herden gehütet und war dabei ein trefflicher Reiter und Schütze geworden. Nach langer Zeit gelang ihm die Flucht, er ward Rabbiner und entwickelte sich zum großen Gelehrten. Wer hätte hinter einem alten Talmudisten eine solche Vergangenheit vermutet! Einen breiten Raum nimmt die Schilderung der Häuser und ihrer inneren Einrichtung ein, gesehen mit dem Auge des kunstverständigen Mannes; eingehend ist der bescheidene künstlerische Schmuck der Gebäude dargestellt. Fünf Tafeln zeigen das Rankenwerk und die Figuren, die die Fronten zierten. Kracauer behandelhier ein sonst völlig vernachlässigtes Kapitel, und der Sachverständige wird hier reiche Ausbeute finden. Wir wollen aus dem schönen Buch nur noch einen Punkt hervorheben. Wir hören oft, die Juden des Mittelalters hätten jede Demütigung willig sich gefallen lassen. Kracauers Buch zeigt, daß dieses Urteil doch nicht ganz richtig ist. Wir sehen mit Vergnügen, wie kräftig die Juden sich ihrer Haut wehren und wie sie unaufhörlich die Steine wegzuräumen vei suchen, die man ihnen in den Weg legt. Als ihnen das Betreten öffentlicher Spaziergänge nicht gestattet wurde, führten sie 1769 in einer Eingabe aus: «Überall wird den Juden der Zutritt in die Spaziergänge gestattet, nur uns wird er verboten. Wer sich dort betreten läßt, muß tausend Grobheiten, tausend Flüche, tausend Drohungen, teils von den Wachen, teils von den mutwilligen Knaben zu seiner Beschämung hören. Da die Spaziergänge erst •einige Jahre alt sind, und vorher uns.niemals verboten gewesen, die Luft, die Christen und Juden gemeinsam wie die v Sonne und das

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