Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 7)
- Language
- German
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256 Besprechungen. Wasser haben, zu genießen und um den Toren herumzuspazieren,, so ist diese Einschränkung eine Neuerung.« In dieser Bittschrift vermag dann das zum Bericht aufgeforderte Bauamt nichts zu erblicken,, »als einen abermaligen« Beweis von dem grenzenlosen Hochmut dieses Volkes, und wie sie alle Mühe anwenden, um sich bei allen Gelegenheiten den christlichen Einwohnern gleichzusetzen«. Von gleicher Energie der Juden zeigen die massenhaften Prozesse, in denen sie immer und immer wieder gegen die ihnen auferlegten Beschrankungen die Gerichte anriefen. Mit Recht gibt Kracauer von allen diesen kleinen Händeln uns Kunde, denn sie scheinen nur kleinlich, sie sind es aber nicht. Von vielen unter ihnen gilt, was Kracauer von dem Kampf um den Bleichgarten bemerkt, jenes Grundstück außerhalb der Judengasse, das Samson Wertheimer 1716, nach unendlichem Prozessieren mit dem Rat, erwarb. »Die bürgerlichen Deputierten waren davon durchdrungen, daß auf ihrer Seite Wahrheit, Recht und Gesetz ständen. Ein Grundpfeiler der Stättigkeit, an dem seit Jahrhunderten nicht gerüttelt worden war, war jetzt zu Fall gebracht. Juden besaßen auf christlichem Gebiete Grund und Boden. Aber auf Seiten Samson Wertheimers stand ein höheres, ungeschriebenes Gesetz. Was konnte ihm, einem der reichsten Männer seiner Zeit an dem Besitz einiger Quadratruten Landes liegen, inmitten einer Stadt, die er nur hin und wieder einmal betrat! .־־' er indem er um diesen Besitz kämpfte, wollte er wenigstens eine der Schranken niederreißen, die den Juden von seinem christlichen Stadtgenossen trennten. Er stritt* nach David Kaufmanns schönem Wort, für eine Forderung der Zukunft, die Besitzfähigkeit des Individuums, mag es auch Jude genannt werden. Auf den sonst gleichgültigen Kampf um den Bleichgarten fällt dadurch ein Abglanz von geschichtlicher Bedeutung.« Es ließe aus Kracauers interessanter Arbeit sich noch vielerlei anführen, aber die gegebenen Proben werden genügen. Sie werden gezeigt haben, ein wie reiches Licht diese neue Geschichtsbetrachtung auf dunkle und unbekannte Gebiete unserer Vergangenheit werfen kann* Jedenfalls hat sich der Verfasser durch seine vortreffliche Arbeit, der wir einen recht ausgedehnten Leserkreis wünschen, ein großes und unvergängliches Verdienst um die Verbreitung gründlicher Kenntnisse von dem Entwickelungsgang seiner Heimatsgemeinde erworben. Berlin Dr. Max Eschelbach er. Unberechtigter Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift ist untersagt. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. M. Brann in Breslau. Druck von Adolf Alkalay & Sohn in Pressburg.