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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 2 · p. Seite 253

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 253 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen. 25& Jahre 173/ die Behörde dem Oberrabiner der Gemeinde gestattete während einer Augenoperation, die der behandelnde Arzt nicht in der Gasse vornehmen wollte, vorübergehend auf der Zeil zu mieten. Aber nicht immer ging es so gut ab. »Als 1778 der Rechenlehrer Rotschild die Erlaubnis zum Aufenthalt in der Stadt im Interesse seines Unterrichts wieder auf einige Zeit verlängert haben wollte, erhoben sich wie ein Mann sämtliche Kapitäne der 14 Bürgerquartiere wider ihn und baten den Rat, den Rechenlehrer in die Gasse zurückzuweisen.« Sie reichten, eine Bittschrift von 33 Folioseiten ein und führten darin aus, Rotschilds Eingabe bezwecke »Gesetze und Observanz zu untergraben und sich wieder sukzessive in christlichen Wohnungen einzunisten, das ohnehin so sanfte Joch der Christen noch gänzlich abzuschütteln und sich alsdann über letztere hinauszuschwingen.« Sojgeschehen im Jahre 1778 in der Vaterstadt Goethes, zur Zeit, da in Kunst, in Wissenschaft, in Philosophie der deutsche Genius seine großen Werke schuf! Eine Freude wenigstens empfinden wir bei der Lektüre der Petition an den Rat; die Bürgerkapitäne hatten gar keinem schlechten Blick. Wie der Tropfen den Stein höhltr so haben in der Tat die beharrlichen Bemühungen der Juden jene barbarischen »Gesetze und Observanzen untergraben«. Freilich, lange genug nach ließ der Erfolg auf sich warten. 1783 bat der Dr. mecL Heimann Joseph Goldschmidt, in der Stadt wohnen zu dürfen, u. a. »weil er in der Judengasse ein Kolleg über Kantische Philosophie nicht lesen könne, wozu er von einigen Literaturfreunden als treuer Schüler Kants aufgefordert worden sei«, aber »die süße Hoffnung der Erhörung seiner untertänigsten Bitte« erfüllte sich nicht.« Auf anderen Gebieten zeigte sich der Rat nicht weniger engherzig. Eine große Anzahl seiner Verordnungen regelt die Bauverhältnisse an den Kloaken. Mit eherner Energie hält der Rat daran fest, daß diese im Judenviertel nicht überdeckt werden dürften. So entwickelten sich Zustände, die den Hohn und Spott aller herausforderten. Ein Reisender des 18. Jahrhunderts berichtet: »Beim Eintritt in die Gasse brodelte mir ein Quall von Gestank entgegen, der meinen Geruchswerkzeugen vorher noch ein ganz unbekanntes Phänomen war. So bedurfte es keiner weiteren Überzeugung, daß ich mich in der Judengasse befand.« Der Reisende hätte, statt die Juden zu bekam sie Gelegenheit, ihre frühere Meinung zu ändern, denn die Gasse wurde nicht erweitert, und dieselbe Straße, die einst elf Familien bewohnt hatten, sollte im Laufe der Zeiten deren Hunderte aufnehmen. Wie war das möglich? Die Pläne, von denen Kracauer Mitteilung macht, geben Antwort auf das Rätsel. Die neuern Häuser entstanden nicht auf neu erworbenem Grund und Boden außerhalb

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