Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 3)
- Language
- German
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252 Besprechungen. scher Schriftsteller, »sind in einer beständigen Aktivität und laufen vom Morgen bis zum Abend unter den Christen herum, handeln und leben von Profit. Daher ist dieser geschäftige Teil gesund. Die großen Handelsjuden dagegen bleiben oft den ganzen Teil des Tages in ihrer dumpfichsten Gasse, sind daher kränklich, ebenso die Kinder und jüdischen Damen und gelehrten Juden, deren letztere nicht wenig sind, die beständig über dem Talmud sitzen und kaum ׳einmal des Jahres aus der Gasse kommen.« Diesem Mangel an Bewegung suchten die Juden freilich mit Mitteln abzuhelfen, die uns sehr modern anmuten. Sie begründeten eine jüdische Schützengesellschaft. Aber die einzige Spur, die von dieser noch bis in die Gegenwart sich erhalten hat, ist der Beschluß des Rats von 7. Juli 1750, der ihr den Garaus macht. »Die Juden maßen sich an, nach der Scheibe zu schießen; das Kriegzeugamt soll die Sache untersuchen und die Juden, so sich hierunter verschuldet, bestrafen, auch ihnen das Gewehr nehmen.« So wurden ihnen Steine in den Weg gelegt. Wir Enkel dürfen auch der Geschichte der Frankfurter Judengasse mit Stolz die oft erprobte Wahrheit entnehmen, daß unsere Väter im Ringen um ihre Existenz zugleich die Forderungen von Recht und Gerechtigkeit vertraten, denen erst eine spätere Zukunft zur Verwirklichung verhelfen sollte. Wer die Bureaukratie der Zopfzeit in ihrer ganzen Größe studieren will, wer den Haß nicht begreift, der gegen die Beamtenwillkür der vergangenen Jahrhunderte allenthalben sich angesammelt, wer verstehen möchte, wie die Herrschaft der Mandarinen ganze Völker verdummen und verdumpfen konnte, der lese die von Kracauer angeführten Verfügungen, die der Rat der großen freien Reichsstadt Frankfurt in Judensachen erlassen hat. Mit äußerster Strenge hält der Magistrat •daran fest, daß das Gebiet der Judengasse nicht erweitert werden dürfe; die fortgesetzten Bemühungen der Juden, neues Land zur Bebauung zu erlangen, sind, von ganz seltenen Ausnahmen abgesehen, vergeblich. Nach § 31 der Stättigkeit von 1616 dürfen außerhalb der Gasse nicht mehr als zwei Juden zusammen gehen. Im Jahre 1756 erklärt der Rat, er habe wieder einmal mit besonderem Mißfallen wahrgenommen, daß die Juden die Ordnung über das Betreten der Stadt, »freventlich (!) zu übertreten keine Scheu tragen, sondern so jüdische Mannsals Weibsleute einzeln und haufenweise auf Sonn- und Feiertäge alle Straßen der Stadt durchstreichen und gleichsam darein spazieren, somit dasjenige, was ihnen aus obrigkeitlicher Milde nur in Notfällen und auf gewisse vorgeschriebene Maß verstattet worden, auf eine ärgerliche und sträfliche Weise zu mißbrauchen sich unterfangen dürften.« Als Rarität führt Kracauer an, daß im