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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 2 · p. Seite 251

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1906-01-01
Page
Seite 251 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen. 251 erscheinen, und dankbar begrüßen wir deshalb ein Werk, das zum: großen Teil gestützt auf solche neue Gewährsmänner, mit ganz besonderem Nachdruck auch auf die anderen, oft vernachlässigtem Seiten des jüdischen Lebens hinweist, die »Geschichte der Frankfurter Judengasse«: von Kracauer. . . Der Historiker der altberühmten Gemeinde hat uns damit ein: Werk geschenkt, das in einer Beziehung einzig in seiner Art •ist. Er hat nämlich eine ganz neue Art von Quellen erschlossen; er schildert die Geschichte der Frankfurter ד Kehilla auf Grund der Bauakten. So hat er uns zum erstenmal einen Ausschnitt aus der jüdischen Geschichte gegeben, in dessen Mittelpunkt nicht der Rabbiner steht, sondern der Baumeister. Die Betrachtung der Baupläne führt sofort auf Fragen, die• sonst nur selten uns entgegentreten. Wie viel Juden gab es in Frankfurt? Viel, viel weniger, als man annehmen möchte. Die Bauakten, zeigen klar, daß die Gemeinde zur Zeit der Entstehung des Ghetto, im Jahre 1462, nicht mehr als .11 Haushaltungen zählte. Im Jahre 1573 waren es etwa 220, im Jahre 1612 etwa. 455 Familien, aber niemals hat bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts die Anzahl der Frankfurter Juden 3000 überstiegen. Und welche Rolle spielte dieses Häuflein in der allgemeinen jüdischen, wie in der Frankfurter Geschichte! Kracauer gibt dem Leser die Möglichkeit, die Bewegung der jüdischen Bevölkerung genau zu verfolgen, und die Zahlen, die• er mitteilt, sprechen oft eine ergreifende Sprache. Im Jahre 1612 zählte die Frankfurter Gemeinde wie schon erwähnt 455 Haushaltungen.. Dreißig Jahre später, 1642, nur noch 287. Damals gingen Jahre ins Land, wo nur eine einzige Ehe geschlossen wurde oder auch gar keine. So spiegelt in diesen anscheinend so trockenen Ziffern sich die Not und das Elend des dreißigjährigen Krieges. Mit den Jahren werden die Pläne immer verwickelter, sie ge?* ben uns damit einen Einblick in die Gesetzgebung des Frankfurter Rats. Dieser hatte im Jahre 1590, und zwar ursprünglich auf Verlangen der Juden selber, bestimmt, die Juden dürften sich nicht außerhalb ihrer Gasse ansiedeln. Der Gemeinde war diese Verfügung ursprünglich sehr erwünscht gewesen, denn als das Ghetto begründet, wurde, war ihr reichlicher Raum zugewiesen worden. Bald aber nötig, sie zu zwingen, daß sie sich durch ihre kurzen, schwarzen Mäntel und Krägen von andern unterscheiden sollten. Ihr totenblasses Angesicht bezeichnet sie auf eine betrübende Art von allen andern Einwohnern.« Dabei fiel allen auf, wie der Gesundheitszustand der Juden je nach ihrer Lebens- und Beschäftigungsweise wesentlich verschieden war. »Die niederen Klassen«:, so berichtet ein zeitgenössi-

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