Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1906-01-01 · Heft 2 · p. Seite 193

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
50 (1906)
Issue
Heft 2
Article
Ein wiedergefundener Grabstein auf dem Wormser jüdischen Friedhofe
Date
1906-01-01
Page
Seite 193 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829795-2829798-2886706--34392-2886794
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein wiedergefundener Grabstein a. d. Wormser jüd. Friedhofe. 193 ich nochmals an den Lewysohnschen Stein und fand ganz deutlich, daß dort genau wie Sie in Ihrer Schrift »Worms und Speier« angeben, geschrieben steht: תתסילם, also 11ÖÖ. Man sieht an dem ר׳ genau den Haken, der nicht mit renoviert wurde, aber mit dem Finger genau fühlbar ist.« Diese Mitteilung bestätigte also meine Vermutung, daß תתס zu lesen sei. Ich zweifelte aber noch immer, ob meine Lesung die richtige sei, denn die Auffassung Rapoports schien mir den Tatsachen mehr zu entsprechen. Ich teilte dies Herrn Rotschild mit, und ersuchte ihn, mir eine Photographie des Steines anfertigen zu lassen1). Aus der Photographie ersehe ich nun, daß der divinatorische *) Inzwischen veröffentlichte Rothschild seine Schrift »Aus Vergangenheit und Gegenwart der israelitischen Gemeinde Worms«, woselbst er S. 13 schreibt: »Im Jahre 1855 hat Dr. Lewysohn 60 Epitaphien von Grabsteinen herausgegeben. N. 1 der Epitaphien enthält die Grabschrift einer Frau Segiroh . . . Als Jahreszahl las Lewysohn 9C0 . . . Der Stein ... ist neuerdings gefunden worden. Da er seinerzeit erneuert wurde, konnte man auch die Jahreszahl 900) תרם) deutlich lesen. Einige Tage später wurde die Inschrift eines anderen Steines, nicht weit von dem ersten entfernt, entziffert, der deutlich die Jahreszahl ,1145) תתקד) trägt und einer »Frau Peruza, Tochter des R. Samuel, der wegen seines Glaubens ermordet wurde«, gewidmet ist. Da auf beiden Leichensteinen der gleiche Vater genannt wird, zwisehen dem Tode der einen Tochter und dem der anderen ein Zeitraum von 245 Jahren liegt, §0 war es geboten, da die Jahreszahl des zweiten Steines deutlich zu lesen ist, nochmals die Inschrift des ersten genau zu untersuchen. In der Tat stellte sich heraus, daß Lewysohn an dem Buchstaben ד das Häkchen übersehen hat, das sich mit dem Finger genau fühlen läßt, wodurch der Buchstabe eine andere Gestalt und einen anderen Zahlenwert erhält (ת anstatt ר), sodaß das Alter des Steines um 200 Jahre herabgerückt werden muß. Rabbi Samuel ist also wahrscheinlich 1C96 ermordet worden . . . Der Irrtum Lewysohns wird auch dadurch fast sicher erwiesen, daß trotz der goßen Zahl entzifferter Inschriften keine einzige aus dem X. wohl aber aus dem XI. Jahrhundert gefunden wurde. Es scheint der Friedhof erst im XL Jahrhundert, Wahrscheinlich 1034, angelegt worden zu sein, also in derselben Zeit, in der die Synagoge gebaut wurde«, ־— Herr Roth- Monatsschrift, 50. Jahrgang. 13

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.