Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ein wiedergefundener Grabstein auf dem Wormser jüdischen Friedhofe
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 2)
- Language
- German
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Ein wiedergefun den er Grabstein a. d. Wormser jüd. Friedhofe. 191 einen oder der andern Ansicht, und soweit dies als Führer dienen mag, so glaube ich תרם lesen zu müssen . . . Es ist natürlich, daß der Stein bei der vorzunehmenden Renovation bedacht werden wird.« Die Motivierung Bambergers ist unklar, aber er scheint die Buchstaben לב als zum Datum gehörend betrachtet zu haben, und indem er sich über das zweifelhafte ס hinwegsetzte, fand er תרלב heraus. Nach Lewysohn würde der Stein aus dem Jahre 900 תרם (nicht 905, wie Lewysohn falsch schreibt), stammen. Beide Lesarten תרם und תרלב sind aus verschiedenen Gründen falsch. Schon Rapoport bemerkt gegen Lewysohn, daß der Ausdruck לבריאה, und dazu noch in der Abkürzung לב, auf alten Grabsteinen nicht vorzukommen pflegt. Auch haben solche Grabsteine nicht ופה מנוחתה כבוד, sondern מנוחתה כבוד ohne ופה♦ Rapoport schlug daher vor: תתקלב לפרט מנוחתה כבוד zu lesen. Sagira wäre somit 1172 gestorben. Rapoport beruft sich dabei auf Inschrift N. 56 bei Lewysohn, welche lautet: ר׳ יצחק הנהרג בן ר׳ שמואל הנהרג . . . בתת״קלו בלא בלח אל קבר אומלל . . . Rapoport identifiziert Samuel in beiden Ins chriften und sieht in Isaak den Bruder der Sagira (er möchte Satira lesen). Der Bruder wäre somit vier Jahre nach der Schwester gestorben (Rapoport in seinem Briefe an Lieben, גל עד, S. XXV ff.). Am Schlüsse seiner Abhand- Jung warnt Rapoport vor jeder Renovation der Inschrift und meint, eine solche könnte die Konfusion nur noch vermehren. Diese Arbeit Rapoports entging mir, als ich mich 1895 mit den Wormser Altertümern beschäftigte. Aber unabhängig von Rapoport und teilweise aus anderen Gründen, fand auch ich, daß die Lesart תרם unzulässig ist. Ich konstatierte, daß die Wormser Synagoge 1034 erbaut wurde (Ms. 40, 512) und bemerkte: Der Friedhof scheint gleichzeitig mit der Synagoge, d. i. 1034 angelegt worden zu sein. Ich fand keinen Grabstein, der älter wäre als