Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Bücher über das Wesen des Judentums [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 18)
- Language
- German
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146 Zwei Bücher über das Wesen des Judentums.- dankeüSünde ist sträflich; darum »sei wahr!«, in allem, was du tust. , Sei wahr und sei selbstlos! Nicht dje Hoffnung auf Lohn, nicht die Furcht vor Strafe soll bestimmend einwirken; das Oute muß getan werden »um seiner selbst willen«. In der Bibel ist freilich häufig von greifbarem Lohn und greifbarer Strafe die Rede, und erst allmählich hat sich die Idee zu der Höhe entwickelt, die den Lohn der Pflichterfüllung in der Ptlichterfüllung selbst, die Strafe der Sünde in der Sünde sieht. In dieser Auffassung erscheint das ewige Leben nicht als eine Vertröstung für die Leiden des diesseits, sondern als die »große Versöhnung der Endlichkeit«1) als ihre Voll endung, die aber nicht ohne den Anfang, ohne die Arbeit erreicht werden kann. Der Blick ins Jenseits ist der Blick in das eigene klare Gewissen, »du sollst leben!« das - wird zur Pflicht und zum Gebot. Sittenlehre und Gl au b e n s ieh r e verknüpfen sich auf das engste, und das Leben gewinnt durch den Glauben an uns seine sittliche Kraft, seine ewige Bedeutung2). Das ist der Kern der Ethik, in der Fromer die Verneinung aller gesunden Lebenskraft sieht, während sie in der Tat das Leben aufs höchste bejaht, das die Anschaungsweise, die nach Fromer Abscheu sät und Haß erntet, während doch ihre Konsequenzen zu dem herrlichen Satze führen: »Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!« (III. M.19,4). Der Neberimensch, wie sollte er verachtet sein, da doch auch er Menschenantiitz trägt, »da doch auch sein der göftliehe Adel ist«. Auch in ihm haben wir Gottes Ebenbild zu achten, find fromm ist nur, wer seine Pflicht gegen den Nebenmenschen erfüllt; selbst der Feind, der unsere Hülfe braucht, hört auf ein Feind zu sein; ein Mensch steht vor uns und fordert, was ihm gebührt, kraft seines unveräußerlichen M e n s c h e n r e c h t e s3). Um dieses!) a. a. O. S. 109. ' s) a. a. O. S. 112. 3) a. a. O. S. 115. ..־־.*