Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 50 (1906)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zwei Bücher über das Wesen des Judentums [Rezension]
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 15)
- Language
- German
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Zwei Bücher über das Wesen des Judentums. 143 läßt« (II. M. 34, 6. 7), stehen an Bedeutung dem »Grundworte des Sittengesetzes« nicht nach: »Höre, Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig!« Beide Sätze zusammen ergeben das Bekenntnis zu dem Gotte Israels, dem Gotte der Liebe1). Der göttlichen Liebe aber steht die menschliche Demut gegenüber, und. in ihr löst sich jener Widerspruch des Lebens, der sich in dem »Zwiespalt zwischen dem begrenzten, um seine Begrenztheit wissenden Erdendasein und seinem weltumspannenden zu Gott aufschauenden Forschen und Vertrauen« offenbart. Die Ergebung in den Willen Gottes, die selbst im Leid noch Segensworte findet, erkennt es als sittliche Pflicht, die Not nicht einfach zu erdulden, sondern sie tätig zu tragen, sie kraftvoll zu bestehen. Dadurch wird das Leben nicht länger als ein Geschenk betrachtet, das uns gegeben worden ist, sondern .eine Aufgäbe, die wir zu lösen haben und lösen können, wenn unser Gottvertrauen und unsere Demut nicht inhaltsleere fromme Stimmung bleiben, sondern durch unser Handeln zum Ausdruck gelangen. »Fürchte Gott und wahre seine Gebote, das ist der ganze Mensch« (Koh. 12, 13), in diesen Worten liegt die stets erneute Forderung der sittlichen Tat, das Gebot, das den Menschen, wie es ihn zum Kinde des liebenden Vaters stempelt, dem gerechten Richter gegenüber zur freien selbständigen Persönlichkeit macht, selbstverantwortlich für sein Tun und Handeln. Das Bewußtsein von der eignen Verantwortlichkeit löst den zweiten großen Widerspruch, der den Menschen abhängig von Gott und doch frei in seinem Willen nennt, und flößt dem Frommen das Gefühl der Ehrfurcht ein, das ihn erst befähigt, Gott zu lieben und ihm zu dienen in der rechten Weise. Der Mensch erkennt, daß die Sünde ein Angriff gegen־ Gottes Heiligkeit ist, daß die Gerechtigkeit Gottes sich in seinem Zorn und seinem!) a. a. O. S. 71.